Shagya-Araber Fohlen vom Gestüt Eichenhof beim Spielen. Foto: Astrid Blank (privat) / PferdeSpiegel.com

Der Zweck heiligt die Mittel eben nicht

„Es funktioniert ja“ ist so eine Aussage für mich, bei der ich inzwischen innerlich schon anfange zu kochen. Zum einen, weil ich das Verb funktionieren eher im Zusammenhang mit Maschinen oder technischen Abläufen („Schau mal, die Waschmaschine funktioniert wieder“) gebrauche und zum anderen, weil dieser Satz häufig als Erklärung oder Entschuldigung für einen Weg gewählt wird, von dem derjenige weiß, dass er eigentlich (in den meisten Fällen weiß er sogar das nicht, aber das ist ein anderes Thema) vielleicht doch nicht so ganz freundlich fürs Pferd ist. Es ist nicht so, dass mir das Verb nicht auch schon über die Lippen gekommen ist, aber ich bleibe dabei, mein Pferd hat nicht zu funktionieren, vielleicht dann schon eher eine „Methode“, die kann meinetwegen „funktionieren“.

Warum ich mich darüber aufrege? Weil ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Pferdephysio-/osteopathin einem FN-Longierkurs beiwohnen musste (hier schreibt Christina auf Ihrem Blog über diese Erfahrung) und in meinen Augen viel zu oft bei Praxistagen genau das sehe. Natürlich „funktionieren“ Ausbinder beim Longieren, wenn man den Kopf einfach schick in eine Position ziehen will. Und auch ein Pferd, was nicht in einen Hänger steigen will, kann ich mit Longen und einem ordentlichen Klapps vermutlich ins Ungeheuer reinbuxieren oder es ihm draußen so ungemütlich machen, dass es sich nach der Ruhe im Hänger förmlich sehnt. Und wenn das Pferd mal nicht vorwärts laufen will im Kreis, dann kann man schon mal ordentlich hinten eins raufgeben. „Es“ funktioniert ja. Wir bekommen das gewünschte Ergebnis und im Zweifel ist es fürs Pferd ja gar nicht „so schlimm“. Schön ist auch das Argument, dass es auf einem anderen Weg vielleicht einfach länger dauert, weil man viel kleinschrittiger an die Sache herangehen müsste und sich die Mühe machen müsste, es (das, was man von dem Pferd will) dem Pferd wirklich zu erklären. Dass das Pferd im Nachhinein vermutlich tatsächlich gelernt hat, WAS wir von ihm wollen und es deswegen das Verhalten auch immer wieder gerne zeigt, rückt dann in den Hintergrund. Der Zweck heiligt die Mittel eben NICHT! Ja, ein Pferd sollte nicht wie eine Giraffe beim Longieren im Kreis rennen und es wäre auch gut, wenn es problemlos zumindest im Ernstfall in den Hänger steigt, aber warum fragen wir uns dann nicht, WARUM es das eine oder andere nicht tut und arbeiten daran ihm den Weg dorthin zu zeigen und zwar oft viel kleinschrittiger als wir uns das vorstellen können und im besten Fall auch so, dass es für das Pferd sogar angenehmen ist, denn das funktioniert (!) 😉 ganz sicher auch ohne Hilfsmittel und immensen Druck.

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