Clicker-Training Positive Verstärkung

Gedanken zum Kurs bei Sady von Motionclick – Vom Druck der positiven Verstärkung

 

Vorweg: Der Kurs mit Sady von Motionclick.de ist schon einige Monate her. Da der Kurstag und die vielen Gespräche im Nachgang einiges bei mir angestoßen und auch mal für den einen oder anderen Knoten im Kopf gesorgt haben, ist es mir unglaublich schwer gefallen, meine Gedanken in Worte zu fassen. Hier nun mein Versuch 🙂

Seit einiger Zeit gehöre ich zu den Wattebauschwerferinnen. Zu denjenigen, die ihr Pferd ausschließlich mit positiver Verstärkung trainieren. Schließlich arbeite ich ja mit dem Clicker. Dachte ich jedenfalls. Bis ich bei Sady von Motionclick im Kurs sitze. Mein Kopf raucht schon nach dem ersten Teil bis zur Mittagspause. Es ist lange her, dass ich so viel neue Information vermittelt bekommen habe. Insgesamt dauert das Theorie-Seminar „Grundlagen des Clickertrainings“ mehr als acht Stunden. Für mich persönlich zu lange, aber Sady legt großen Wert darauf, dass alle Teilnehmer tatsächlich die Lerntheorie hinter dem Clickertraining verstehen.

Kursbeginn

Der Kurs beginnt wie üblich mit einer kurzen Vorstellungsrunde. Der vorrangige Wunsch der Teilnehmerinnen (ja, es waren nur Frauen anwesend) ist es, im Umgang und Training mit ihren Pferden keinen Druck mehr anzuwenden. Dabei fällt mir auf, dass einige Druck mit Gewalt gleichsetzen. Natürlich sind auch Teilnehmerinnen dabei, die ihrem Pferd mittels Clickertraining einfach etwas Neues (Zirkuslektionen) beibringen oder ihr Training abwechslungsreicher gestalten möchten. Und ich glaube da entsteht ein „Missverständnis“. In diesem Kurs scheint es Sady nämlich nicht darum zu gehen, uns zu vermitteln, wie wir unseren Pferden, welches Kunststückchen mittels Clicker beibringen kann, sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Arbeit mit positiver Verstärkung mehr bedeutet als sein Pferd zu clickern.

 

„Positive Verstärkung ist nicht nur gutes Verhalten zu belohnen, sondern auch Fehlverhalten zu ignorieren.“ (Sady – motionclick.de)

Zunächst geht es darum, dass wir die  – ich nenne es mal „biologische“ –  Lerntheorie hinter dem Clickern verstehen, dazu gehört eben auch nicht nur die positive Verstärkung. Auf Sadys Website findest Du eine ganze Beitragsreihe, die sich nur mit dem Lernverhalten beschäftigt. Desto tiefer wir in die Materie einstiegen, desto mehr wird mir bewusst, dass ich nur einen ganz kleinen Teil meiner Zeit mit Wingardio tatsächlich mit positiver Verstärkung arbeite. Der alltägliche Umgang besteht fast ausschließlich aus negativer Verstärkung.

Wenn Du Dir ganz genau vor Augen führst, wie Du mit Deinem Pferd umgehst, wirst Du vermutlich feststellen, dass auch Du fast ausschließlich mit negativer Verstärkung arbeitest. Das ist zunächst ohne Wertung zu verstehen. Das konventionelle Training, mit dem wir und unsere Pferde groß werden, basiert auf negativer Verstärkung.

Ein kleines Beispiel

Wenn Dein Pferd zum Beispiel stehen bleibt und auf das Ziehen am Strick wieder losläuft, hat es dieses Verhalten (Loslaufen) durch negative Verstärkung gelernt. Der Druck (durch das Ziehen) lässt nach, wenn das Pferd losläuft. Solche Situationen erleben wir ständig. Nicht nur das Reiten durch den Druck unserer Schenkel oder den Sitz, dem Gebiss im Maul oder dem Zügeldruck auf der Nase, sondern auch der alltägliche Umgang ist von negativer Verstärkung geprägt. Häufig mischen wir auch positive und negative Verstärkung, wenn wir zum Beispiel das Pferd loben, wenn es einen Schritt vorwärts gegangen ist, nachdem wir am Strick gezogen haben. (Lesetipp: Warum das nicht wirklich „positiv“ ist und das Pferd verwirren kann, erklärt Marlitt Wendt in diesem Beitrag.)

Bewusstsein schaffen

Ich hatte das Gefühl, dass es Sady in dem Kurs vor allem darum geht, dass wir uns dessen bewusst werden, dass die meisten von uns beide Methoden vermischen und ein Training ausschließlich mit positiver Verstärkung viel mehr ist als ab und zu den Clicker einzusetzen. Natürlich kam auch die Frage auf, ob ein Umgang und Training ausschließlich basierend auf positiver Verstärkung überhaupt möglich ist. Also ein Führen ohne mal eben am Strick zu zupfen, wenn das Pferd stehen bleibt. Ein Hinterhandweichen ohne Druck aufzubauen, ein Reiten ohne Schenkeldruck oder ein Longieren ohne Zupfen an der Longe. Ich denke schon. Letztendlich ist es „nur“ eine (von mehreren) Formen des Lernens, die jedoch ein komplettes Umdenken unsererseits benötigt, weil auch wir es anders gelernt 😉 haben. Es bedeutet auch, sehr kleinschrittig zu denken. Sich jede Situation vor Augen zu führen und unglaublich konsequent zu sein. Wenn man weiter denkt, führt es einen auch zu der Frage: Was ist mit all den Verhaltensweisen, die das Pferd bereits durch negative Verstärkung oder sogar positive Bestrafung gelernt hat? Sady riet mir, diese wieder neu durch positive Verstärkung dem Pferd beizubringen. Um auf das Beispiel von oben zurück zu kommen: Du kannst Deinem Pferd neu beibringen, dass es Dir folgt und zwar so, dass Du eben nicht am Strick ziehst und zum Beispiel das Zupfen am Strick in ein Signal umwandelst. Also auf keinen Fall so lange ziehen, bis das Pferd tatsächlich losläuft.

 

Vom Druck der positiven Verstärkung

Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese Vorstellung schon etwas überfordert und mein „perfektionistischen Ich“ ein gehörige Portion Druck verspürt. Natürlich ist die Vorstellung von einem Pferd, das immer die Wahl hat „Nein“ zu sagen und das nicht damit rechnen muss, dass ich den Druck erhöhe, damit es das gewünschte Verhalten trotzdem zeigt, eine sehr schöne. Es macht das Pferd zu einem ebenbürtigen Partner. Ich als Mensch entscheide nicht ausschließlich darüber, was wir wie machen. Auf der anderen Seite kann ich mir auch vorstellen, dass es Pferde gibt, die das Herausfinden des „korrekten“ Verhaltens stresst und lieber eine konkrete Ansage des Menschen erwarten. Bei meinem Pferd kommt noch hinzu, dass Futter kein besonders hoher Motivator ist. Je nach Tagesform steht das Bedürfnis nach Sicherheit und Klarheit weit über dem nach Futter, was ihm frei zur Verfügung steht.

 

Arbeiten wir konsequent mit Druck (negative Verstärkung) gibt es so gut wie keine Grenze nach oben. Zeigt das Pferd nicht das gewünschte Verhalten – ganz unabhängig von den Gründen, oft drücken wir uns ja nicht klar aus, sodass uns das Pferd nicht versteht – müssten wir konsequenterweise den Druck erhöhen, was – je nach Definition – zu Gewalt führt. „In letzter Konsequenz muss es das Pferd trotzdem tun“, so Sady über das konsequente Training mit negativer Verstärkung. Möchte ich das? Nein, ich denke, niemand möchte sein Pferd auf einen Hänger prügeln oder die Schenkel in den Bauch klopfen. Letztendlich muss ich es aber auch nicht dazu kommen lassen und kann jeder Zeit entscheiden eine Übung abzubrechen. Die Arbeit mit negativer Verstärkung bedeutet für mich nicht zwangsläufig ein Steigern des Drucks ins Unermessliche, so wie es bei einigen „Hardcore Horsemanshiplern“ vielleicht zu sehen st.

„Weniger Druck bedeutet nicht mehr Freiwilligkeit“, “ (Sady – motionclick.de)

Ich glaube jeder muss aber für sich entscheiden, was Druck ist und ab wann Druck eine Strafe in Form von Gewalt ist. „Weniger Druck heißt nicht zwangsläufig mehr „freiwillig“, so Sady und an diesem Satz habe ich zu knabbern. Ein Zupfen am Strick oder das Anlegen der Schenkel kann auch „umprogrammiert werden“, dass diese menschlichen Verhalten dem Pferd als Signal dienen, ein Verhalten auszuführen. Um dorthin zu kommen, ist es sicherlich ein langer Weg, aber ich bin mir ganz sicher, dass er möglich ist. Nur ist er derzeit nicht mein Weg. Und: Vielleicht liegen auch hier einfach meine Grenze als Mensch. Nur weil ich diese Methode derzeit nicht „Vollzeit“ anwende, heißt es noch lange nicht, dass ich sie nicht als vollwertig anerkenne. Ich fühle mich einfach nicht in der Lage sie zu 100 Prozent durchzuführen.

Veränderungen

Mich haben die vielen neuen Information und Vorstellungen lange beschäftigt und tuen es auch immer noch. Ich habe mit einigen Pferdemenschen – den Wattebauschwerfern und Seilchenschwingern – darüber gesprochen und ich bin definitiv wesentlich achtsamer im Umgang mit Wingardio geworden. Ich habe versucht viel mehr positive Verstärkung in meinen alltäglichen Umgang mit einfließen zu lassen und das betrifft nicht nur die Zeit beim Pferd. Ich frage mich viel öfter, wann ich mit negativer und wann mit positiver Verstärkung arbeite. Ich versuche ein Mischen beider Methoden zu vermeiden. Ich arbeite ganz konkret mit dem Clickertraining, wenn es darum geht neue vermeintlich gruselige Dinge zu entdecken und zu „besiegen“. Bei der Arbeit mit dem Kappzaum und dem sich daraus entwickelten Longieren versuche ich den Spagat zwischen positiver Verstärkung und negativer Verstärkung hinzubekommen. Oft fällt es mir hierbei zum Beispiel schwer (rechtzeitig) zu erkennen, ob Wingardio mein Zupfen an der Longe und/oder meine Köpersprache als Signal verstanden hat oder ich hier schon Druck ausübe. Mein persönliches Ziel ist es, hier wirklich frei von Druck zu arbeiten. Da wir zurzeit in dem Bereich viele Fortschritte feiern können und mir von außen schon berichtet wurde, dass man richtig sehen kann, dass Wingardio genau weiß, wann er welches Verhalten richtig ausgeführt, gehe ich davon aus, dass wir uns auf dem für uns richtigen Weg befinden.

Was mir bei der ganzen Auseinandersetzung mit dem Thema aufgefallen ist, dass man leicht in einen Dogmatimus verfällt und der eigentliche Grund für die Arbeit und das Zusammensein mit dem Pferd in den Hintergrund tritt. Für welche Methode man sich auch entscheiden mag, sollte immer der vertrauensvolle, gewaltfreie, aber vor allem freudvolle Umgang im Vordergrund stehen.

Lesetipps:

Vielen Dank an dieser Stelle an Sady, Miri, Tanja von Tash-Horseexperience, Nadja von Pferde verstehen und Petra von der Pferdeflüsterei für die anregenden Diskussionen zu dem Thema.


Und nun interessiert mich Deine Meinung zu dem Thema? Clickerst Du auch? Arbeitest Du ausschließlich mit positiver Verstärkung oder hälst Du das für totalen Quatsch?

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5 Kommentare

  1. Pingback: Motivation, Vertrauen, Bindung? Was das Clickern alles können kann

  2. Hallo Saskia,
    da ich ja absolut kein „Clickerer“ bin, habe ich deinen Beitrag erst gar nicht gelesen, war dann jetzt aber doch neugierig, wie deine persönlichen Erfahrungen aussehen.
    Ich bin nicht gegen das Clickertraining, es passt allerdings nicht zu mir.
    Mir ist nach dem Lesen deines Berichts jedoch bewusst geworden, dass ich hin und wieder doch mal unbewusst positive Verstärkung einfließen lasse. Allerdings ohne Click und Leckerlie. Wenn sie freiwillig auf mich zu kommt, ohne dass ich sie gerufen habe und ich sie dann an ihrer Lieblingsstelle kraule – ist das nicht auch irgendwo positive Verstärkung? Und ja, mein Pferd folgt mir auch ohne dass ich am Strick ziehen muss.
    Ich bin übrigens ebenfalls der Meinung, dass Druck nicht verstärkt werden muss. Wir haben gegenüber dem Pferd den Vorteil der mentalen Ausdauer – ich finde sollten wir zumindest, es nennt sich auch Geduld 😉 – und können auch einen leichten Druck einfach halten.
    Bestrafung kommt bei mir nicht zum Einsatz, jedoch bin ich bereit ein Pferd zu korrigieren bevor ich mich ernsthaft gefährde, sollte es mich angreifen.
    Du hast mich aber dazu inspiriert, einfach mal mehr darauf zu achten, wann ich welche Verstärkung einsetze und es vielleicht mal öfters mit positiver Verstärkung zu versuchen.
    Aber allein beim Reiten fänd ich es für mich schwierig ein Training mit rein positivier Verstärkung umzusetzen. Dazu sehe ich mich mit meinen Fähigkeiten auch nicht in der Lage.
    Danke für den interessanten Meinungsaustausch 🙂

    • Hallo Nina,

      vielen Dank für Deinen tollen Kommentar. Es freut mich, dass Du den Text dann doch gelesen hast und siehst Du, Du „clickerst“ auch ohne Click. Also ganz genau, dass was Du berichtest, fällt unter positive Verstärkung. Natürlich muss jeder für sich seinen Weg finden und gerade beim Reiten sehe ich da den Weg für mich auch nicht…

      Viele Grüße und Freude beim Beobachten 😀

  3. Ein sehr schönes Resümee zu meinem Seminar, vielen Dank dafür! Und ja, du hast vollständig recht damit, wenn du sagst, es geht mir um das Verständnis der Menschen, wann wir was warum machen! Weniger darum, bestimmte Lektionen zu trainieren. Es geht mir auch gar nicht so sehr darum, dass die Leute hinterher ihr gesamtes Training umstellen und ihre Pferde nicht mehr anfassen… Auch wenn das vielleicht im ersten Moment so wirkt (und wie authentisch wäre es denn, wenn ich sagen würde, dass es dir alles gar nicht so schlimm macht das alles ruhig wie immer… ).
    Es geht darum, seine Definition von freiwillig und Druck zu überdenken und auch für sich festzulegen. Zu überlegen, ob die eigene Definition von Druck auch die Definition des Pferdes ist, wann Druck tatsächlich Druck ist, dann ein Signal und so weiter. Und Signale dürfen durchaus eine Druck Komponente entfalten, es ist ja letztlich nur Kraft auf Fläche. Es geht darum, ich Impulse zu geben, euch und eure Arbeit zu reflektieren, nicht jemanden zu verändern. Und wenn man hinterher feststellen, dass man sich wohlfühlt mit dem was man tut, dann ist das eine sehr schöne Erkenntnis, die einen durchaus wachsen lässt!
    Es ist selten so, das jemand von heute auf morgen seine Arbeit auf reine positive Verstärkung umstellt. Davon mal abgesehen, können die uns dahingehend ohnehin nur bemühen, schließlich leben wir nicht in einer Black Box… aber es ist ein großer Unterschied, ob wir uns überlegen, wie man etwas für sich bestmöglich mit positiver Verstärkung löst, auch wenn man hier und da noch etwas Druck benötigt, oder ob man sagt, es geht sowieso nicht ohne Druck, dann kann ich auch gleich Druck machen ohne es zu versuchen… Positive Verstärkung ist auch das Arbeiten an sich selbst und achtsamer im Umgang mit dem Pferd sein, es ist nicht einfach nur eine Methode, sondern ist es eine Einstellung, die sich entwickeln muss.
    Ich vergleiche das gerne mit dem vegan sein oder werden: es ist selten so, darf man von heute auf morgen entscheidet, dass man das fragwürdig findet, tierische Produkte zu sich zu nehmen Komma sondern häufig ist das etwas, was einen schon sehr sehr lange beschäftigt. Dann beginnt man vielleicht damit, weniger Fleisch zu essen und stellt irgendwann fest, dass das gut funktioniert, man sich besser fühlt, und man vielleicht nur noch einmal die Woche BioFleisch Bauern nebenan isst. Irgendwann in schließt man sich dann, gar kein Fleisch mehr zu essen, weil man es einfach nicht vermisst. Vielleicht vergisst man sogar die wöchentliche Mahlzeit einfach mal. Als nächstes stellt man vielleicht fest, dass man auch auf Eier, Milch und andere tierische Produkte verzichten kann, reduziert diese, oder lässt sie gleich weg… und nach und nach ist man dann vielleicht gar keine tierischen Produkte mehr. Vielleicht reicht es einem aber auch, Vegetarier zu sein. Vielleicht versucht man aber als Veganer auch dann noch, sich persönlich ( und das ist eben eine sehr persönliche Ansicht, die man nur für sich selbst beschließen oder ähnlichem kann…) weiterzuentwickeln, weil man auch noch auf Fairtrade oder biologischen Anbau zurückgreifen möchte. Jeder muss das tun, mit dem er sich persönlich am wohlsten fühlt, weil es um ihn selbst geht, nicht um das, was Außenstehende oder die Gesellschaft von ihm erwartet. Und natürlich, ist es am Ende so, dass viele andere diesen Standpunkt nicht nachvollziehen können, weil sie sich eben ganz anders weiterentwickeln als man selbst auf diesem oder einem anderen Weg. Und das ist auch gut so! Ja nur, wenn man am Ende hinter dem steht, was man in letzter Konsequenz umsetzt, kann das ganzheitlich funktionieren. Und da entscheidet eben jeder ganz für sich selbst. Hat man am Ende aber das Gefühl, man muss ständig verzichten, oder man findet es eigentlich gar nicht so schlimm, Fleisch zu essen, wird das nicht funktionieren! Dann isst man vielleicht doch zwischendurch immer mal wieder Fleisch oder einen Käsebrötchen. Und auch das kann ja für den ein oder anderen vollkommen okay sein! Wenn ich aber das Gefühl habe, durch den Verzicht etwas zu gewinnen, dann ist das etwas sehr verstärkendes und belohnendes. Nur dann wird es mich nicht stören, wenn ich am Anfang immer wieder Produkte googeln, Packungsbeilagen wälzen, eigenes Essen mit zu nehmen oder sogar verzichten muss. Kein Mensch kann sich weiterentwickeln, wenn er nicht seine eigenen Grenzen auslotet und auch erweitert, wenn das nicht immer so bequem ist. Erst dann wird es irgendwann zur Normalität. Wenn das vegan sein aber ein Teil geworden ist, entschließe ich nicht, doch mal ein Steak zu essen, weil ich heute besonders viel Hunger habe und gerade nichts anderes da ist. Ich wäge genau ab, ob es das wert ist oder ob ich nicht lieber abends oder sogar am nächsten Tag noch etwas esse, oder oder oder… Es ist völlig okay, wenn jemand das als zu extrem für sich empfindet, denn ein Gefühl kann ja niemals falsch sein! Dann ist es allerdings nicht der Veganer, der seine Meinung oder Ansicht der Dinge überdenken sollte. Und auch der andere, muss nicht zwingend seine Ansicht überdenken, wenn er für sich bereits überdacht hat, dass das für ihn alles stimmig und passend ist. Es können durchaus beide Meinungen nebeneinander existieren, wenn alle respektvoll miteinander umgehen können und nicht versuchen einander zu bekehren oder einen “ besseren Menschen“ aus seinem Gegenüber zu machen Punkt und das erfordert auch von beiden Seiten sehr viel Verständnis, Respekt und Achtung gerade weil die Meinungen möglicherweise sehr weit auseinander liegen und für den anderen nicht immer nachvollziehbar sind. Und dass ein Dritter (das Kind/das Tier/die Mitmenschen/das Pferd) dabei beteiligt ist, der aus Sicht des anderen möglicherweise benachteiligt wird, macht die Sache natürlich noch ein Stück weit komplizierter… Man sollte nicht aufhören selbst zu denken, nicht zu entwickeln, aber man darf durchaus sagen, von meinem jetzigen Standpunkt aus fühle ich mich wohl, mit dem was ich tue, und deshalb tue ich das auch weiterhin!

    Ich wünsche jedem, dass er auf seinem Weg glücklich ist, wo auch immer er hingeht. Ich bin überzeugt davon, dass jeder der dazu imstande ist, sich zu reflektieren, einen guten Weg geht und aus seiner Sicht das steht Beste für sich und sein Pferd tut! Auch wenn dieser Spruch so abgedroschen ist, so ist er doch sehr wahr: der Weg ist das Ziel!

    • Liebe Sady,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Dir mein Bericht gefällt, auch wenn er ja nun eher eine Mischung aus Kursbericht und eigenen Gedanken zu dem Thema ist. Bei mir hat sich seit diesem Tag im April wirklich sehr viel getan. Mein Pferd hat das sicherlich am meisten gespürt und „musste“ viel mit mir ausprobieren. Ich denke, wir sind wirklich auf einem harmonischen Weg für uns und integrieren quasi die positive Verstärkung immer weiter in unseren Alltag. Und Du hast ganz Recht: Es ist ja viel mehr als eine Methode oder ein Training. Es ist ein Weg und eine Einstellung. Mein Pferd macht es mir in der Hinsicht auch sehr „einfach“, weil er einfach unglaublich umgänglich ist und diese Pferderasse sogar darauf gezüchtet wurde „für den Menschen (den Husar)“ zu arbeiten.

      Dein Beispiel mit dem Veganismus kannte ich schon 😉 und das trifft es wirklich sehr gut. Ich hatte auch an keiner Stelle Deines Kurses das Gefühl, dass Du jemanden bekehren möchtest, aber vor allem durch dein Wissen und die vorhandene Erfahrung voll und ganz hinter dem stehst, was Du tust und das vermutlich auch auf andere einschüchternd wirken kann, weil sie sich dann selber hinterfragen „müssten“, wenn sie denn wollten.

      Solltest Du mal wieder in der Gegend sein, besuche ich bestimmt sehr gerne wieder einen Kurs und bis dahin schaue ich weiter über Tellerränder und ganz vor allem darauf, was für mein Pferd und mich sich am besten anfühlt.

      Vielen Dank und schöne Grüße, Saskia