Parelli Circling Game. Foto: A. Blank (privat)

Erfahrungsbericht: Parelli Natural Horsemanship

Knotenhalfter, langes Seil und die sieben Spiele, das verbinden die meisten mit Pat Parelli und seiner Trainingsmethode. Bis zum letzten Jahr hatte ich noch nie von ihm gehört und unter Natural Horsemanship, wie Parelli und auch viele andere Pferdetrainer ihre Methode betiteln, konnte ich mir nichts Konkretes vorstellen. Dieser Hype in der Pferdewelt, der mit dem Film Der Pferdeflüsterer begonnen hatte, war an mir vorüber gegangen.

Erst durch die Besitzerin meiner letzten Reitbeteiligung lernte ich Pat Parelli und sein System (Parelli Natural Horsemanship) kennen. Auch wenn ich heute nicht mehr viel von seinem spezifischen System an sich halte, bin ich doch froh, den Weg für kurze Zeit eingeschlagen zu haben, denn er hat mir ein viel größeres Verständnis für Pferde, ihr natürliches Verhalten und ihre Kommunikationsformen vermittelt.

So lernte ich im letzten Sommer die sieben Spiele kennen, schaute mir die erste Pat Parelli DVD an und nahm zwei Mal Unterricht bei einer lizenzierten Pat Parelli Trainerin. Mein Fazit: Ich habe mich selten so schlecht nach einem Unterricht gefühlt wie mit dieser Trainerin. Sie gab mir durchweg das Gefühl, dass das, was ich dort mit dem Pferd machte, nicht richtig war. Sie ermutigte mich also nicht oder zeigte mir einen anderen Weg, sondern nahm mir den Strick aus der Hand und führte – ohne mir ihr Handeln zu beschreiben – das eine oder andere Spiel aus. Mir fehlte eine Einleitung in die Thematik und die Erklärung, für das ‚Warum‘ der einzelnen Parelli-Spielen. Von einer Person, die sich viel mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinander gesetzt hatte, hätte ich mehr Einfühlungsvermögen und eine bessere zwischenmenschliche Kommunikation erwartet. Am Anfang dachte ich, dass es an mir läge. Aber wie ich später erfuhr, hatten schon einige andere wegen ihrer Art aufgehört Unterricht bei ihr zu nehmen.

Die sieben Spiele: Eine Lösung für alles?

Meiner Erfahrung nach, kommen die meisten Pferdefreunde zu Pat Parelli und Konsorten, wenn sie ein „Problem“ mit ihrem Pferd haben. Wahrscheinlich einfach ein typisch menschliches Verhalten: Läuft irgendetwas nicht so, wie wir es uns wünschen, versuchen wir es „zu reparieren“. Wenn unser Auto kaputt ist, bringen wir es in die Werkstatt. Pat Parellis System suggeriert etwas sehr ähnliches: Spiele die sieben Spiele und Du wirst eine unglaubliche Bindung zu Deinem Pferd aufbauen, Euer Vertrauen wird gestärkt und alle Probleme werden vergessen sein. Dein Pferd wird nicht mehr steigen, nicht mehr buckeln, nicht mehr am Stall kleben und Dir mehr vertrauen. Das klingt vielleicht etwas überspitzt, aber so kommt es bei mir an.

Als ich die sieben Spiele mit meiner Reitbeteiligung gespielt habe, hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Stute einfach ein gelerntes Programm abspulte. Die Methode basiert auf Druck, der vom Menschen ausgeübt wird, und vor dem das Pferd weichen soll. Laut Parelli und vielen anderen Horsemanship-Trainern ist diese Methode direkt aus dem natürlichen Pferdeverhalten abgeleitet. Ein Verhalten das jeder auf der Weide beobachten kann: Wenn ein ranghöheres Pferd möchte, dass ein rangniedrigeres beispielsweise den Platz an der Futterstelle frei macht, übt es in Form von Körperanspannung, Nüstern hochziehen, Ohren anlegen oder sogar durch Ausschlagen physischen oder körperlichen Druck auf das andere Pferd aus, das dann weicht. Auch Parelli arbeitet mit verschiedenen Druckstufen, so wird beispielsweise, wenn man das Pferd rückwärtsrichten möchte, zuerst mit dem Finger gegen die Pferdebrust gezeigt und wenn das Pferd nicht reagiert, sanft mit dem Seil geschüttelt, sodass diese Bewegung am Pferdekopf ankommt. Weicht es immer noch nicht, wird die Intensität des Schüttelns soweit erhöht, bis dann auch der Seilkarabiner an den Pferdekopf schlägt. Auf das kleinste Anzeichen wird der Druck sofort rausgenommen und das Pferd durch eine Ruhepause belohnt.

Was mich persönlich daran stört

Sicherlich wurde dem Thema Pferdekommunikation in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit geschenkt und vieles ist inzwischen viel besser wissenschaftlich verstanden. Aber wir sind keine Pferde, wir können keine Ohren anlegen und auch wenn wir die Nase hochziehen können, bezweifle ich, dass mein Pferd weiß, was das bedeuten soll. Pferde wissen, dass wir keine Pferde sind, wir können nicht so tun als ob. Wir versuchen einen Hufschlag mit Seilschütteln gleich zu setzen.
Es gibt bestimmt Pferdefreunde die ganz tolle Erfahrungen mit ihrem Pferd und den sieben Spielen gemacht haben, aber ich möchte keiner Anleitung folgen, damit mir mein Pferde vertraut.

Ein Beispiel für ein Parelli-Spiel, das ich bis heute nicht verstanden habe (und auch die bereits erwähnte Trainerin konnte mir dazu keine einleuchtende Erklärung geben), ist das sogenannte Circling Game (auf dem Titelbild zu sehen). Ziel ist es, dass das Pferd um mich herum läuft. Nicht zu verwechseln mit Longieren, denn von Stellung und Biegung habe ich in diesem Zusammenhang bei Parelli nie etwas gehört. Es geht lediglich darum, dass ich das Pferd in eine gewünschte Richtung schicke und es so lange um mich herum laufen soll, wie ich das möchte. Ich nehme an, dass ich dadurch zeigen soll, wer der Boss ist?! Dazu bleibe ich in der Kreismitte stehen und solange von mir keine Aktion ausgeführt wird, soll auch das Pferd in dem von mir vorgegebenen Tempo um mich herum zirkeln. Für mich ergibt dieses Spiel absolut keinen Sinn. Kein ranghöheres Tier schickt ein rangniedrigeres Tier im Kreis um sich herum. Die Form der Kommunikation, die ich meist unter Pferden beobachten kann, basiert auf einer gezielten Aktion eines Pferdes, worauf eine gezielte Reaktion des anderen folgt. Pferd A beißt zu, Pferd B geht woanders hin oder beißt zurück. Pferd B wird jedenfalls nicht von Pferd A davon laufen und warten, was Pferd A als nächstes von ihm will. Was ist also das Ziel, wenn ich ein Pferd um mich herum schicke und mich nicht mitbewege, also nicht mit ihm kommuniziere?

Das Internetvideo von Linda Parelli

Nichtsdestotrotz begann ich viel über Natural Horsemanship zu lesen und lernte dabei viel über die Verhaltensweisen der Pferde. Im Dezember 2014 sah ich auf der Hippologica eine sehr beeindruckende Show von zwei lizenzierten Parelli-Trainerinnen, die ihre Pferde unter anderem nur mit Halsring ritten und eine sehr feine Kommunikation mit ihren Tieren hatten. Keine Frage, die Vorführung war sehr beeindruckend. Letztendlich war es dann aber ein YouTube-Video, in dem Pat Parellis Frau Linda mit einem Schüler zu sehen ist, was mich dazu brachte, mich völlig von Parelli Natural Horsemanship abzuwenden. Das verlinkte Video ist nicht das, was ich gesehen habe, weil es inzwischen entfernt wurde, es zeigt aber Ausschnitte davon.

Ich fand das Video sehr verstörend und zu keinem Zeitpunkt kann ich erkennen, dass Linda Parelli dem Pferd zuhört. Meist gibt sie dem Pferd noch nicht einmal eine Chance zu reagieren, sondern schüttelt nur wild mit dem Seil rum. Es gibt auch ein Entschuldigungsstatement von ihr, aber ich finde nicht, dass das ihre Umgangsform mit dem Pferd rechtfertigt.

Mein Fazit: Pat Parelli Natural Horsemanship war für mich der Einstieg in das Thema Pferdekommunikation. Ich habe viel durch das Schauen der Parelli DVDs gelernt, glaube aber nicht, dass das starre Parelli System etwas für mich und meinen Weg ist.
In der letzten Zeit habe ich mich mehr durch das Lesen der Bücher von Mark Rashid, Peter Pfister und Marlitt Wendt inspirieren lassen. Nützliche Artikel finde ich auch immer wieder auf dem Horsemanship-Blog Pferde verstehen von Nadja, bei Petras Pferdeflüsterei oder Akkis Homepage von Fü(h)rPferd Horsemanship.


Kennst Du Pat Parelli? Was hältst Du von den sieben Spielen? Beschäftigst Du Dich mit Natural Horsemanship? Ich freue mich von Deinen Erfahrungen zu hören!

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50 Kommentare

  1. Es ist sehr schade, dass dieser Eindruck nach dem Unterricht mit einer lizenzierten Parelli Instruktorin entstanden ist. Ich hoffe, dass es ein klärendes Gespräch zwischen Ihnen und der Instruktorin gab, denn nur konstruktives Feedback hilft, zu verbessern.
    Es zeigt sich immer mehr, dass Parelli Natural Horsemanship nicht nur ein Einstieg für Pferdebesitzer mit sogenannten Problempferden ist. Ich hoffe, dass sich in der Zwischenzeit auch die Idee und das Ziel des Circling Games geklärt hat, denn es geht wie bei allen allen Spielen um sehr viel mehr als nur um vorwärts, rückwärts, seitwärs oder im Kreis. Gymnastizierung hat auch bei Parelli Natural Horsemanship einen großen Stellenwert.
    Mit freundlichen Grüßen.
    Klaudia Duif
    Lizenzierte 3-Sterne Parelli Instruktorin

    • Hi Klaudia,

      ein solches Gespräch gab es nicht. Vermutlich hätte das etwas Positives bewirkt, das stimmt. Nichtstrotz ist die Arbeit über negative Verstärkung nicht mein Weg. Für mich liegt der Sinn & Zweck des Circling Games weiterhin im Gehorsam, für Gymnastizierung bräuchte es schon ganz andere Vorarbeit.

      Viele Grüße
      Saskia

  2. Ruka

    Hallo!
    Ich spiele die sieben Spiele mit meinem jungen Wallach seit er zwei Jahre alt ist (jetzt wird er fünf und wir haben ihn angefangen zu reiten.) Und ich habe ehrlich gesagt nur positive Erfahrungen gemacht.
    Ich habe die sieben Spiele bei einem Auslandsaufenthalt gelernt, allerdings nicht bei einem lizensierten Trainer sondern bei jemandem, der nach der Methode spielt.
    Was ich an Parelli sehr schön finde ist das „spielen“. Es geht nicht um „arbeit“ und genau das zieht sich durch das bisherige Leben von mir und meinem Wallach. Er folgt mir mit und ohne Seil ohne zu hinterfragen, in allen drei Gangarten. Ich zwinge ihn nicht dazu und habe auch mit Stick-to-me im Liberty angefangen, ohne Seil und Halfter.
    Für uns ist es eine Art mit einander zu kommunizieren, er versteht mich und ich verstehe ihn.
    ALLERDINGS kann es gut sein, da ich nie Unterricht bei einem lizensierten Trainer hatte (Nur Videos & Pats Buch), dass ich es auch abgewandelt habe. Wie schon in den Kommentaren geschrieben wurde sollte ja jeder seinen eigenen Weg finden, das „Schema X“ gibt es nicht.

    Zu dem Circling Game: Das Ziel ist es nicht Macht zu demonstrieren damit das Pferd um einen herum läuft, sondern dass es sein Gehirn benutzt und von selbst in der Gangart bleiben kann ohne das der Mensch die ganze Zeit sagt „Trab, Trab, Trab, Trab“ und sei es durch Körpersprache. Es soll Eigenverantwortung übernehmen. Das einfache Circling Game ist meiner Meinung nach aber auch langweilig. Ich habe aber auch gelernt dass stundenlanges herumtraben wie beim longieren eben nicht das Ziel ist.

    Das Druck ausüben: Kommt wahrscheinlich auch auf das Pferd an. Meiner ist ein Left Brain Introvert, also schlau, mutig, nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen jedoch etwas dominant und ein bisschen triebig, er braucht viel Belohnung (streicheln) und ist nicht so der schnellste (von sich aus). Ich dürfte das Seil auch nicht schütteln. Er wird schnell beleidigt wenn man zu viel Druck ausübt. Auch beim herkömmlichen longieren darf die Peitsche ihn nicht touchieren, nicht weil er Angst hat oder er es unangenehm findet… er mag nur den Druck nicht und zeigt das auch. Das heißt aber auch, dass es reicht (wenn ich Jojo Spiele) das ich den Arm nur nochzuheben brauche und er geht rückwärts. beziehungsweise nur am Schweif zupfen muss und er kommt rückwärts mit mir mit, wenn ich hinter ihm stehe.
    Ich denke schon, dass man Parelli Horsemanship auf alle Pferde anwenden kann, nur das manche von Anfang an nur minimalen „Druck“ benötigen.

    Liebe Grüße 🙂

    • Hi!

      Lieben Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich für Euch, dass ihr so eine feine Art der Kommunikation gefunden habt.

      Der Beitrag ist inzwischen schon sehr alt, genauso wie die Erfahrung mit dem Thema. Ich habe mich seitdem viel mit dem Thema Lernverhalten bei Pferden auseinander gesetzt und arbeite mit meinem Pferd inzwischen fast ausschließlich mit positiver Verstärkung bzw. versuche negative VErstärkung so weit es geht zu vermeiden, von daher ist mir Parelli und die Anwendung von Druck im Rahmen von Training mit negativer Verstärkung sehr fern.

      Natürlich soll/kann/darf jeder seinen eigenen Weg finden, aber wir sollten auch verstehen, was wir da tun. Und das Anwenden von Druck und insbesondere Druckverstärkung, wenn das Pferd nicht das gewünschte Verhalten zeigt, ist immer Training mit negativer Verstärkung. Das mag für den einzelnen total okay sein, ist aber nicht mein Weg.

      Viele Grüße und alles Gute für Dich und Dein Pferd, Saskia

  3. Rachel

    Hallo interessanter Artikel.

    Ich habe durch eine Freundin Parelli 7 games kennengelernt und es mit ihr und ihrem Pferd begonnen zu lernen.

    Dann wanderte ich aus nach Südafrika und habe mein erstes eigenes Pferd bekommen.
    Eine sehr feinfühlige unglaublich nervöse und ängstliche Araber Stute.
    Da sie noch nicht wirklich zahm war und wie gesagt sehr ängstlich habe ich mich nur auf die Bodenarbeit konzentriert.
    Hier gibt es kein Parelli Programm oder Trainier wie in Deutschland also habe ich mir selbst etwas erarbeitet .
    Parellis 7 games haben da auch eine Rolle eingenommen aber nicht nur.
    Denn ich denke als guter Horseman sollte man nicht star einem System folgen , sondern schauen was spezifisch bei jedem Pferd funktioniert.
    Vieles hat mir sehr geholfen. Wie eben das friendly game. Meine Stute lernte, dass es ok ist ja sogar angenehm wenn man sie überall streichelt und anfasst und das half sehr bei vielen alltäglichen Dingen.
    Das Circling game finde ich auch ganz lustig, dass du das ansprichst. Mache ich bis heute nicht so! Da ich auch das Gefühl hab, dass ich nicht mit ihr kommuniziere.
    Ich bewege mich mit und sie reagiert sehr gut auf alles was ich frage. Tempiwechsel über Hindernisse gehen usw..und kommt zu mir wenn ich danach frage.
    Ebenso hat dieses Seil schütteln bei ihr nicht funktioniert um von mir weg zu weichen im Gegenteil, sie findet das so befremdlich, dass sie zu mir kommt und mich anschaut und fragt: Was soll das? Was muss ich tun?
    Also habe ich eine andere Lösung gefunden sie weg zu schicken.
    Auch das zur Seite weichen , Seitengänge klappte nicht mit parellis Methode. Ich habe ihr nun beigebracht mit einer andern Methode zu mir hin die Hinterhand weichen zu lassen.

    Was ich eigentlich damit sagen will.
    Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht aber nicht Alles klappt immer 100% mit jedem Pferd man muss da seinen eigenen Weg finden und an das jeweilige Pferd anwenden.
    Trotzdem finde ich es einen guten Einstieg in das Thema Pferdekommunikation und Horsemanship.

    Man sollte einfach vieles ausprobieren und schauen was klappt mit meinem Pferd. Wobei fühlt sich das Pferd und ich mich wohl.
    Und am wichtigsten viel Spaß und Geduld :Liebe Grüße aus Südafrika Rachel

    • Hallo Rachel,

      lieben Dank für Deinen Kommentar! Bitte entschuldige meine verspätete Antwort, derzeit habe ich leider nicht so viel Zeit für den Blog…
      Ich bin da total bei Dir und sehe das ganz genau so. Ich denke man kann von Parelli viel mitnehmen, aber ein starres System widerstrebt mir.

      Viel Spaß weiterhin in Südafrika mit Deiner Stute. Hört sich nach einer sehr vertrauensvollen Beziehung an <3
      Liebe Grüße, Saskia

  4. Helga

    Hallo, deinen Namen habe ich nirgends gefunden, daher entschuldige bitte die fehlende Anrede.
    Ich finde deinen Beitrag recht interessant, denn auch ich habe schon von Dilettanten gehört, die angeblich nach dem Parelli Kommunikationssystem arbeiten, aber es einfach selber nicht wirklich verstanden haben.
    Ich lernte Parelli über eine Horsemanshiptrainerin kennen, nachdem ich meinen 10jährigen Andalusier von privat gekauft hatte und dieser sich wie ein Problempferd verhielt. Sie kam auf den Hof, betrachtete ihn, spielte ein bisschen mit ihm und kam zu dem Ergebnis, dass er ein gutes Pferd wäre, er allerdings durch den Stall- und Besitzerwechsel jeglichen Halt verloren hatte und sich deshalb so durchgeknallt verhielt (Steigen, Abdüsen an der Longe und unter dem Reiter, Hintern zudrehen). Sie zeigte mir einige Spiele um eine Kommunikation aufzubauen und ihm neuen Halt zu geben. Nach ein paar Monaten kam er aus seiner Depression heraus und nahm dann auch ein Leckerli zur Belohnung nach jedem guten Spiel. Im Laufe der Jahre habe ich mir die gesamten Lehrvideos von Parelli gekauft und habe für Verfeinerungen bei namhaften Trainern wie Berni Zaimbail an Kursen teilgenommen. Seit ich dieses Kommunikationssystem gelernt habe bin ich rundum zufrieden. Ich habe ein wunderbares Reitpferd, dass ich in akademischer Reitkunst reite. Er ist sehr gehorsam, willig und hat größtes Vertrauen zu mir gewonnen. N. m. Meinung gibt es für jedes Problem eine Lösung im Natural Horsemanship nach Parelli, nur die Trainer müssen es auch verstanden haben. Ich bin begeistert von dieser einfachen Art, eine gemeinsame Kommunikationsbasis mit dem Pferd zu entwickeln und lehre inzwischen auch selbst die 7 Spiele. Dabei stelle ich bei Pferden mit problematischem Verhalten meistens schon nach der ersten Arbeit fest, dass sie geradezu dankbar sind. Endlich ist jemand da, der mich versteht und es meinem Besi auch beibringt. Denn darum geht es: Love, Language and Leadership. Wir lehren den Menschen das Pferd zu verstehen und in seiner Sprache mit ihm um zu gehen. Dazu brauchen wir nicht die Ohren anlegen, sondern nehmen gfs nur eine aufrechte Körperhaltung und ein zielstrebiges Verhalten an, um an den Wassereimer zu kommen. Mit meinem Junghengst habe ich von Anfang an nach Parelli’s Methode gearbeitet und wir sind ein sehr harmonisches Paar. Ein Hengst mit guten Manieren eben. Übrigens arbeitet Peter Kreinberg nach der gleichen Methode, er nennt es Gentle Touch, denn er hat es ein wenig auf die englisch/deutsche Umgehensweise mit dem Pferd angepasst.
    Um noch einmal auf deine Frage nach dem Circling Game zu kommen: das Pferd soll um dich herum gehen, in der gewünschten Richtung und Gangart so lange du es willst. Ja, warum? Weil es so respektlose Pferde gibt, die z.B. beim Äppeln einfach dort stehen bleiben wo sie gerade sind und wenn das mitten auf der Straße ist. Oder einfach in den Schritt fallen, wenn ihnen Trab zu anstrengend wird. So war es bei meinem damals 10 jährigen Andalusier einige Zeit. Deshalb gewöhne es ihnen gleich an, nur dann die Richtung und Gangart zu wechseln, wenn du das willst. Dafür gibt es dieses einfache Spiel, bei dem du auch mitgehen kannst und mit dem du dein Pferd nicht langweilen sollst indem du es endlose Runden gehen lässt. 4-5 Runden reichen, dann gibt es etwas neues. Und denke immer liebevoll an dein Pferd, werde nicht ärgerlich, wenn es nicht sofort reagiert. Lerne Beherrschung.
    Ich hoffe, ich konnte deine Abschlußfrage hinreichend beantworten. LG Helga

    • Hallo Helga,

      mein Name steht in der rechten Spalte neben dem Artikel 🙂 Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn das Parelli-System Tier und Mensch auf ihren Wegen hilft, es ist nur nicht mein Weg und Du schreibst ja auch, dass es viel um „Probleme lösen“ geht. Zum Glück habe ich ein sehr menschenzugewandtes soziales Pferd, den ich, mit dem doch oft beobachteten hohen Druck in diesem System, sehr verletzten würde…gerade mental.
      Da ich inzwischen vermehrt mit positiver Verstärkung arbeite (der Artikel bzw. die Erfahrung ist für mich nun auch schon zwei Jahre her), ist das Circling Game immer noch nicht im Sinne meines Pferdetrainings, das auf Dialog beruht und auch darauf, dass das Pferd mal „Nein sagen darf“. Aber wie schon oben geschrieben, wenn Du und auch andere Pferdemenschen damit ihren Kommunikationsweg gefunden haben, ist das wunderbar.

      Viele Grüße
      Saskia

  5. Benny

    Hy zusammen ich Arbeite und Unterrichte schon eine ganze Weile mit Pferden und habe eine Menge Lehrgeld bezahlt im Laufe der Zeit.Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen das es fast egal ist was Du mit dem Pferd machst so lange Du fair und gerecht dem Pferd gegenüber bist. Schaut euch eure Pferde an und handelt in Ihrem Sinne ohne negative Emotionen. Wenn ihr es schafft in jeder Situation Ruhig und Fair zu bleiben wird das Pferd bei euch sein. Wir sind der Mensch und doch angeblich soo schlau aber es gibt immer noch Leute die Ihr Pferd unterdrücken quälen und Verletzen wenn es nicht nach ihrem Geschmack funtioniert. Anstatt einfach ein Paar Schritte zurück zu gehen und zu überlegen wo der Fehler liegen könnte . Als ich angefangen habe mit Pferden zu arbeiten wurdest Du für bescheuert erklärt wenn Du mit Knotenhalfter und Rope gearbeitet hast. Ich denke das Pat Parelli einen sehr sehr guten Weg eingeschlagen hat und viel für besseres Pferdeverständniss getan hat . Aber über die Zeit leider auch das Geld in den Vordergrund getreten ist. Es gibt keine Universallösung für jedes Pferd (zum Glück). Seit Nett zu euren Pferden es sind so schöne Geschöpfe. Deine Seite habe ich gerade Endeckt und finde sie Klasse .Ich wünsche Dir viel schöne Momente mit deinem Pferd bleib Neugierig und hinterfrage dann bist Du auf einem guten Weg.

    • Hallo Benny,

      bitte entschuldige meine verspätete Antwort. Ich bin da ganz bei Dir: respektvoll und fair sollte der Umgang immer sein. Und wenn uns das Pferd nicht die Antwort liefert, die wir gerne hören möchten, dann liegt es immer zuerst an uns. Parelli Natural Horsemanship bleibt für mich jedoch eine systematische Arbeit, mit der ich inzwischen nichts mehr anfangen kann.

      Viele Grüße
      Saskia

  6. Liebe Saskia,
    ich bin vor bald 20 Jahren auf das Thema Natural Horsemanship gekommen. Damals war Monty Roberts noch der Hype und auch wenn ich wie du von den meisten Gurus abgekommen bin.. Den Grundsatz gibt es auch in anderen Lehren, aber ich dankbar, dass sie die Idee, über Pferdeverhalten nachzudenken, bei uns / bei mir populär gemacht haben. Das Problem ist wie so oft auch, dass Menschen glauben, alles zu wissen und es deswegen über andere drüber stülpen können. Wissen heißt nicht gleich lehren können. Man kann nur in die Richtung gestupst werden. Das zeigt z.B. der Film von Buck Brannaman, der mehr auf den Menschen als auf „Tricks“ eingeht, wie man sich ein Pferd zu eigen macht.
    Mein Einstieg war ein Wochenende bei einem deutschen Horseman (ohne Guru-Erscheinung), bei dem ich mir die Technik abholen und mit dem Psychokram nichts zu tun haben wollte. Das Ergebnis war, dass ich heulend nach Hause gefahren bin, weil ich erkannt habe, dass wie in der Hunde- und Kindererziehung auch es nötig ist, sich selbst in Frage zu stellen. Genau wie du habe ich dann alle möglichen tollen Bücher über Horsemanship aber auch fachliche Literatur über Ethologie und Verhaltensforschung gelesen.
    Heute habe ich einen Vollblut-Araber (geplant war ein ruhiger Quarter), der mich auf der einen Seite laufend fordert auf der anderen Seite zu mir hält. Wir dürfen beide Fehler machen und haben Agreements darüber getroffen, wo die Grenzen sind. Mein letzter Versuch eines Trainings bei einer sehr guten, sehr lieben Trainerin hat mir gezeigt, dass ich mit zuviel Druck auch zuviel Gegendruck erreiche. Was im Training noch funktionierte, wurde im Gelände bald lebensgefährlich, weil ich das aufgebaute Vertrauen verlor. Das war der Punkt, als ich mir klar gemacht habe, wo will ich hin und wo will mein Pferd hin. Was ist gut für mich und was ist gut für mein Pferd. Perfektionismus gehört nicht dazu.
    Mein Statement: Viel lesen, viel üben, viel lernen, sich von Trainern beurteilen lassen und, das aller-, allerwichtigste überhaupt, auf sein Pferd hören, die Gemeinsamkeiten suchen. Nicht jedes Pferd kann alles umsetzen, jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter, kein Pferd ist genormt und passt in ein bestimmtes Trainings- und Ziel-Schema. Das gleiche gilt für den Reiter, auch ich kann nicht alles umsetzen. Aber ich kann mich auf mein Pferd verlassen. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber in den Dingen, die wichtig sind.
    Vertrauen braucht einfach Zeit. Du scheinst aber auf dem richtigen Weg zu sein. Viel Spaß weiterhin mit deinem Araber.
    LG Michi

    • Christiane Lichtken

      Insbesondere die Aussage, dass Du einen ruhigen Quarter geplant hattest und nun einen Araber hast, erfreut mich ungemein. Ich war drauf und dran, für meine Araberin einen geeigneteren Menschen zu suchen, als ich es bin. Erst, als ich bereit war mich völlig neu einzulassen und meine Borniertheit erkannt habe, konnte ich mich mit Lehrern und vielen Anregungen neu annähern- und es ist einfach traumhaft, jeder Tag mit diesem Pferd!

    • Hallo Michi,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Gedanken zu dem Thema. Ich denke auch, dass diese gehypten Gurus etwas bewegt haben und sei es, dass wir Menschen unser Verhalten mit und ohne Pferde reflektieren. Bisher haben die meisten (auch Buck) bei mir immer das Gefühl hervorgerufen, dass in deren Augen das Pferd funktionieren soll. Es geht mir zu wenig darum, dass es doch wünschenswert wäre, wenn das Pferd doch Freude und Spaß am Beisammensein mit uns Menschen hat. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich einen offenen und freundlichen Charakter für mich gewonnen habe, mit dem ich sehr selten oder eigentlich fast nie diskutiere. Da ist jedes Pferd natürlich ganz anders. Da passt Dein Statement auch sehr gut dazu. Ich glaube manchmal vergessen wir auch, dass wir Menschen tatsächlich auch nicht alles können. Manchen liegt das eine mehr als das andere, aber irgendwie erwarten wir von uns selber, dass wir vor allem mit dem Pferde perfekt emapthisch, perfekt freundlich, perfekt stark, perfekt vertrauensvoll und dann noch perfekte Reiter sind. Auch wir brauchen manchmal Zeit 🙂 genauso wie der Aufbau des Vetrauens, ja.
      Liebe Grüße und auch Dir viel Freude! Saskia

  7. Christiane Lichtken

    Ich hatte nun mein erstes Einzel nach einer Informationsveranstaltung. In vieler Hinsicht bin ich überrascht von der Kommunikation. Es war auch nichts Derbes oder Grobes am Umgang. Meine Mausi ist bei Ungerechtigkeiten oder unfairem Umgang sofort sauer. Das ist hier in keiner Weise aufgetreten. Natürlich hängt es auch sehr vom Trainer ab, wie er das Thema ausfüllt. Bis hierhin finde ich viele Anregungen und habe auch eine Erklärung bekommen für eine Verhaltensweise, die ich mir bei ihr nicht erklären konnte.

    • Hallo Christiane,

      jetzt ist es bei mir völlig untergegangen Dir zu antworten. Warst Du auf einer Informationsveranstaltung über das Parelli System?

      Liebe Grüße
      Saskia

  8. Kira

    Ich freue mich immer, wenn ich wieder eine Benachrichtigung bekomme, dass jemand hier einen Kommentar hinterlassen hat ^^ und immer wieder lese ich in den Kommentaren, dass diese Personen ihr Pferd als Freund sehen, der nicht wie nach Parelli funktionieren muss (sonst wird der Druck immer weiter erhöht).

    Es ist so toll zu lesen, dass es so viele Menschen gibt, die so denken! Das zeigt mir, dass ich nicht die einzige bin, die mit dem ’normalen‘ Umgang mit Pferden nicht zufrieden (bzw. sehr unzufrieden) ist.
    Richtig bewusst ist es mir geworden, dass wir (die in ihrem Pferd einen Freund sehen) sehr viele sind, als ich eine Zeitschrift gefunden habe, die ganz anders ist als Cavallo & Co. Vllt als Tipp für den ein oder anderen, der gerne viele neue Methoden, Standpunkte, Ansichten usw kennenlernen mag, bietet die Zeitschrift ‚Natural Horse‘ sehr viele Ansätze und wenn das Interesse geweckt ist auch Empfehlungen für entsprechende Lektüre zum vertiefen 🙂

    Freue mich schon auf die nächsten Kommentare und hoffe, dass ich euch mit meiner Empfehlung vielleicht weiterhelfen konnte!

    • Hallo Kira 🙂
      das finde ich ja schön, dass Du hier immer wieder zurückkehrst. Ich glaube, es gibt ganz viele Menschen da draußen, die ähnlich denken und handeln wie Du und ich, aber leider auch immer noch viele, die starr an einem System fest halten.
      Danke auch für den Zeitschriftentipp. Ich hab die ersten Ausgaben auch gelesen und die aktuelle liegt auch bereit. Ich find es toll, dass dadurch viele neue alternative Ansätze beleuchtet werden. Mir fehlt nur teilweise die Ausgewogenheit, da es immer nur ein Autor ist, der zu einem Thema zu Wort kommt. Da bin ich vielleicht zu sehr Journalistin/Redakteurin 😉 der Einordnung wichtig ist.
      Viele liebe Grüße
      Saskia

  9. Christiane Lichtken

    Letzten Sonntag habe ich eine Informationsveranstaltung besucht und für diese Woche Freitag ein Einzel gebucht. Ich bin gespannt. Letztendlich suche ich nicht nach dem Trick, mein Pferd zu dominieren, sondern nach einer weiteren Anregung, mein Verhalten zu verbessern. Mein Pferd ist helle, und sie kann kommunizieren. Grundsätzlich möchte ich nur eins weitergeben:
    Jeder kann in jeder Minute eines Unterrichts abbrechen, sich kritisch äußern , ist aber auch zwingend aufgefordert, sein Pferd im Zweifelsfall zu schützen. Ich habe noch die Zeiten erlebt, in denen es hieß, man macht, was gesagt wird. Deshalb habe ich ein kaputtes Rückgrad. Heute besteht durch die Vielzahl an selbständigen Reitlehrern und Trainern mehr Druck in Hinsicht auf pädagogische Fähigkeiten, Umgangsformen und Einfühlungsvermögen. Schlechte Lehrer entsorgen sich meist von selbst. Und wir als Pferdehalter sind verpflichtet, uns und unser Pferd im Zweifelsfall zu verteidigen. Das ist auch eine Form von Leadership!

    • Hallo Christiane, lieben Dank für Deinen Kommentar. Da hast Du vollkommen Recht, dass es unserer Verantwortung obliegt, bei welchem Trainer, wir was mitmachen. Zu gehen oder zu hinterfragen, erfordert Mut und Selbstbewusst und in der gegebenen Situation ist vielleicht Beides nicht vorhanden oder man hat Sorge sich gegen die Mehrheit zu stellen, die „Guru xyz“ anhimmeln. Oft wird auch nur nach einem festen Plan gesucht ohne irgendetwas zu hinterfragen.
      Es freut mich, dass Du mit Deinem Pferd einen anderen harmonischen Weg eingeschlagen hast.
      Liebe Grüße
      Saskia

  10. Caro

    Toller Artikel! Ich habe erst vor einigen Monaten angefangen, mich mit Natural Horsemanship zu beschäftigen, und zwar nach dem ich den Film „The Path of the Horse“ gesehen habe. Kennst du den?
    Pat Parelli hat mich auch nicht so richtig überzeugt. Im Moment habe ich sowieso den Eindruck, dass es unendlich viele „Gurus“ gibt, die alle auf ihre Methode schwören.
    Damit meine ich nicht einmal, dass sie falsch liegen.
    Ich denke, dass jeder selbst sehen muss, was für sich und sein Pferd das Richtige ist. Dabei spricht ja auch nichts dagegen, das beste aus jeder neuen Trainingsweise, die einem über den Weg läuft, mitzunehmen 😉 Am Ende ist auch kein Pferde-Menschen-Paar wie das andere.

    • Hi! Den Film kenne ich nicht, werde ich mal googeln 🙂 Die Grundgedanken sind halt meisten sehr ähnlich. Inzwischen bin ich ja beim Clickern angekommen, aber mir hat die ganze Auseinandersetzung mit NHS schon sehr viel über Pferdeverhalten nahe gebracht.
      Ja diese „Gurus“ gibt es mehr oder mehr. Inzwischen glaube ich, dass neben Einfühlungsvermögen vor allem Erfahrung eine große Rolle spielt und die sammelt man nur über die Zeit und im Kontakt mit vielen verschiedenen Pferden. Da habe ich auch noch viel zu lernen 🙂

  11. Rahel

    Der Artikel ist echt lesenswert, hast du super beschrieben!
    Ich habe schon mein lebenlang mit Pferden zu tun und hatte mir erlich gesagt bis vor ein paar Jahren nie grosse Gedanken über die verschiedenen Methoden gemacht, weil die Pferde meiner Mutter alle von ihr ausgebildet wurden und ich sie auch so ritt wie sie das gerne sah (kein Reitlehrer kann so streng sein wie die eigene Mutter ;))
    Nun bin ich aber seit knapp 3 Jahren ungeplant selber Pferdebesitzerin. Meine Süsse war damals schon 26 Jahre alt und hörte am Anfang auf nichts. Auch wusste ich nur wenig über ihre Vorgeschichte.
    Es ist bis heute eine Herausvorderung mit ihr zu arbeiten und ich habe noch nie so viel nachgedacht und ausprobiert wie in den letzten Jahren. Ein eigenes Pferd regt einem zum nachdenken und hinterfragen an, wie sonst nichts – jedenfalls gilt das für mich. Das wie und weshalb sind jetzt ständige Begleiter und ich frage gerne jeden Reiter aus, der meine Wege kreuzt 🙂
    Parelli habe ich da natürlich auch gekreuzt. Eine gute Freundin von mir macht mit ihrer Stute auf sehr beeindruckende Weise die Arbeit nach Parelli und ich habe das Gefühl das beide Freude daran haben. Ausprobiert haben wir das natürlich dann auch unter ihrer Anleitung. Nur das es nun nicht mehr so spielend aussah, als sie es an meiner Stute demonstrierte und ich das ganze abbrach, als der Karabiener gegen den Kopf meiner Süssen knallte. Das war mein persönlicher ‚Parellidämpfer‘. Seither kenne ich zwei Seiten von Parelli die sich bei mir einfach nicht in Einklang bringen wollen. Kann hinter so viel schönem und leichten so viel grobe und brutale Vorarbeit stecken? Und wenn ja lässt sich das rechtfertigen?
    Für mich persönlich geht mein Weg ohne Parelli weiter, aber das Horsemanship behält seinen Reiz. Im letzten Jahr hatte ich einen Einblick in die Arbeit von Alfonso Aguilar und er hatte mich erlich gesagt schon da, als er kein zentnerschweren Karabiener am Seil hatte 🙂 auch gefällt mir die Ansicht seines Sohnes Arien Aguilar; dass jeder Reiter seinen Weg suchen muss und nicht nachahmen sollte. Deswegen bin ich gespannt auf die Kurse im Herbst bei ihnen. Zudem hatte ich riesige A-Ha Erlebnisse mit den Büchern und DVDs von Bent Branderup, Claus Penquitt, Michael Geitner, Linda Tellington und Philippe Karl. Deswegen nehme ich überall das raus was ich umsetzen kann und wenn einer ein Kurs in der Nähe hält… dann bin ich dabei 😉
    Liebe Grüsse Rahel

    • Hallo Rahel,
      schön, dass Dir mein Artikel gefallen hat und Du meine Erfahrung nachvollziehen kannst und in Teilen sogar selbst so erlebt hast.

      Irgendwann werden wir uns bestimmt mal bei einem Seminar treffen 😉 Ich versuche auf meinem Weg auch viel mitzunehmen. Von Alfonso Aguliar und seinem Sohn habe ich auch schon sehr viel Positives gehört. Ich mag auch sehr Mark Rashids Bücher. Bei Bent war ich auch schon als Zuschauerin (Du findest unter den Seminarberichten auch einen Artikel dazu), Nathalie Penquitt habe ich als Kind versucht nachzuahmen :p über Linda Tellington habe ich gerade hier eine Buchrezension veröffentlicht…
      Ein eigenes Pferd regt in der Tat sehr viel zum Hinterfragen an. Ich finde, dass das auch unsere Verantwortung als Besitzer ist.
      Ich wünsche Dir und Deiner Stute weiterhin viel Freude auf Eurem Weg! 🙂 Liebe Grüße Saskia

  12. Hi Saskia,

    vielen Dank für deinen Artikel – und die Verlinkung zu meiner Seite! Ich freue mich total, dass ich dir mit Tipps und Ideen helfen kann.

    Ich bin selbst auch kein Parellianer, ich habe das System auch noch nicht verstanden. Ich denke, für viele Menschen ist es leicht, sich an ein vorgegebenes System zu halten und zu sehen, wie ihre Pferde sich (positiv) verändern. Menschen (wie wir beide auch) entwickeln uns lieber selbst außerhalb solcher Schranken. Das ist weder gut noch schlecht – sondern nur anders.

    Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit deinem Wingardio! Wenn du mal vor einem Problem stehst: schreib mich gern an!

    Liebe Grüße,
    akki

    • Liebe Akki,

      das hast Du ganz wunderbar beschrieben. Schön, dass Du meinen Artikel so verstehst (wie ich ihn auch meinte).
      Gerne nehme ich Dein Angebot an. Bisher schätze ich mich unglaublich glücklich, dass Wingardio mir von sich aus so viel Vertrauen entgegen bringt und unser Weg sich so harmonisch gestaltet. 🙂
      Liebe Grüße, Saskia

  13. Hey,
    also ich arbeite nach meinem Herzen und Bauch und bin dadurch zur akademischen Reitkunst gekommen. Es gefällt mir einfach wie dort mit Ruhe und Lob am und vor allem mit dem Pferd gearbeitet wird.

    Videos von Pat Parelli machen mich wütend und traurig, denn wie du schon richtig gesagt hast, können wir kein Pferd der Welt darstellen und es wird wirklich nicht mit dem Pferd gearbeitet, sondern eher gegen das Pferd. Es kann so doch gar nicht verstehen, was jemand von ihm möchte und die Panik in den Augen der Pferden finde ich am schlimmsten.

    Es ist nichts für mich und es diese Methode richtete sich gegen meinen Verstand und mein Herz. Nein, nichts für mich.

    • Liebe Sonny,
      Danke Dir für Deinen Kommentar. Auch ich bin inzwischen bei der AR angekommen, wobei ich sagen muss, dass mir dort zunächst das „Horsemanship“ gefehlt hat. Am Wochenende durfte ich Jossy Reynvoet (kennst Du den Trainer?) kennen lernen, der zwar auch AR-Trainer ist, aber an erster Stelle kommt bei ihm die Beziehung zum Pferd und die Vertrauensarbeit. Seine Arbeit hat mir sehr gut gefallen! Viel Freude weiterhin auf Deinem Weg. Liebe Grüße Saskia

  14. Kira

    Hallo Saskia 🙂

    Ich habe damals auch mit Parelli und Join-Up angefangen, habe mir ein paar Sätze, die mir heute noch helfen gemerkt und den Rest hinter mir gelassen. Auch wenn ich das meiste heute nicht mehr optimal finde bin ich trotzdem froh mit Parelli meinen Einstieg in den NHS gefunden zu haben und freue mich auch pber jeden der Parelli macht (auch wenn ich hoffe, dass diese Personen sich weiterbilden und auch Parelli hinter sich lassen).

    Ich finde es sehr schwer unter den Horsemanshiptrainern diejenigen zu finden, die eine wirkliche Beziehung zum Pferd haben wollen und nicht nur ein funktionierendes Pferd, die Kommunikation mit ihrem Pferd wollen und kein konditioniertes Pferd.

    Ich habe mich über Claudia Miller, Honza Blaha, Bernd Hackl, Klaus Hempfling, Peter Kreinberg uvm informiert und auch hier vieles gelernt, aber nicht das gefunden, was ich gesucht habe..

    Mark Rashid finde ich toll, aber Kurse bei ihm sind für mich unmöglich zu besuchen, also habe ich mich auf die Suche gemacht nach Leuten, die ihre Pferde nicht dominieren, nicht unterordnen wollen, sondern einfach eine freundschaftliche Beziehung zu ihm aufbauen wollen.
    Pferde vermemschlichen?! Ja, tue ich immer öfter..
    Ich gehe mit meinen Freunden durch die Stadt, sie dürfen sich Klamotten im Schaufenster an gucken gehen, sie dürfen sagen, dass sid grad gerne ein Eis essen gehen wollen..
    Ich habe sie nicht an der Leine und habe trotzdem keine Angst, dass sie mir weglaufen, ich verbiete ihnen nicht sich auch mal vor ein Schaufenster zu stellen oder äußern zu dürfen, was sie mögen und was nicht, auch wenn ich anderer Meinung wäre..

    Aber wie überträgt man sowas auf ein Pferd?

    Im Moment finde ich die eher wissenschaftlich (Biologie/Psychologie) fundierten Perspektiven von (Susanne Lohas,) Jenny Wild und Sabine Birmann gut.
    Vielleicht lasse ich auch diese Ansätze schon bald hinter mir, vielleicht nicht..
    Ich beschäftige mich immer weiter damit, sie sind jetzt schon Teil meines Weges, aber mein Weg geht immer weiter.

    Falls ihr Trainer kennt, die in diese Richtung ihre Ansätze haben, dann immer her damit!! 😀

    Und habt ihr schonmal was von Tierkommunikation gehört? Da informiere ich mich gerade drüber und suche noch Ansätze/ Bücher/ Kurse, um mir eine möglichst vorurteilsfreie Meinung zu bilden.

    Ganz liebe Grüße aus Oberhausen, Kira

    • Hallo Kira,

      vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Angefangen habe ich auch mit Klaus Hempfling, der mal vor 10 Jahren total „in“ war 😉 Von Mark Rashids Büchern bin ich auch total begeistert, wie er das umsetzt, konnte ich leider auch noch nicht live erleben. Susanne Lohas und Jenny Wild werde ich gleich mal googeln, die sagen mir nichts. Von Sabine Birmann habe ich auch ein Buch und mich eine Weile mit ihr beschäftigt. Leider ist mir das auch etwas zu dogmatisch und bei der Reiterei sehe ich keinen biomechanischen Ansatz. Hach, gar nicht so leicht das Ganze, oder? 😉

      Ich denke, sich Weiterzubilden, sich viele verschiedene Ansätze anzuschauen, dass ist eigentlich das entscheidende. Da scheinst Du auf einem super Weg zu sein! Ich setzte mich gerade viel mit der Akademischen Reitkunst auseinander, aber da kommt mir das Thema „Horsemanship“ wiederum zu kurz.

      Über das Thema Tierkommunikation bin ich auch schon des Öfteren gestolpert, aber ich habe mich noch nicht intensiv damit beschäftigt. Kann Dir damit leider nicht weiterhelfen. Bisher habe ich nur von guten Erfahrungen gehört, aber es kommt ja auch ein wenig darauf an, was man/Du damit erreichen willst. Falls ich damit mehr Erfahrungen haben sollte, werde ich hier natürlich berichten.

      Viele liebe Grüße zurück nach Oberhausen 🙂 Saskia

      • Hallo Kira, Hallo Saskia,

        Susanne Lohas kann ich auch wärmstens empfehlen! Sie ist ehemalige Parelli-Schülerin (mir irgendeiner Lizenz), die sich danach reitlerlich bei Philippe Karl weiter gebildet hat und lizenzierte Trainerin ist. Ich war als Zuschauerin bei einigen Kursen von ihm auf ihrem Hof und sowohl von ihr als natürlich auch von Philippe Karl absolut begeistert. Ihr Umgang mit Pferden und Schülern und ihr Wissen über körperlich wirklich sinnvolle Arbeit ist für mich unschlagbar. Habe vor 3 Jahren selber einen Kurs mit ihr veranstaltet, konnte aber durch meinen Umzug nach Dänemark natürlich nicht dran bleiben.

        Schaut mal: https://www.youtube.com/watch?v=Dl6zu4Fqypc

        Und natürlich immer wieder gerne Alfonso Aguilar! ! ! ! ! ! http://www.aguilarnaturalconcepts.com/index.php/de/

        • Hallo Mona,

          danke für den Tipp. Philippe Karls Lehre wollte ich mir auch mal genauer anschauen. Habe mir gleich mal Suannes Video angeschaut. Sie hat ja auch eine Shagya Stute!!! 🙂 Hach, da stöber ich gleich mal etwas mehr rum.

          Viele liebe Grüße, Saskia

          • Kira

            Hallo Mona! 🙂

            Ich war auch auf einem ihrer Seminare (sind leider immer weit weg, aber ich wollte sie doch mal live gesehen haben^^) und fand sie auch sehr cool 🙂
            Ich habe leider außer die YT Videos und den einen Tag Seminar noch nicht so viel von ihrer Philosophie mitbekommen, hat sie vllt eln Buch? ^^ Also ich hab sie oben in Klammern gesetzt, weil ich denke mich noch nicht genug mit ihrem Ansatz beschäftigt zu haben, alsdass ich sie klar zu meinen „Favoriten“ zählen kann.. ich hoffe ihr versteht was ich meine 😀

            Philipe Karl habe ich mir leider auch noch nicht so genau angeschaut, mir wurde seine Theorie leider von einer seiner tollen Schülerinnen madig gemacht..
            Ich hatte zwar eine Vorstellung von seinem Ansatz und habe mir dann Stunden angesehen wo die besagt tolle Schülerin (hört sich iwie so jung an.. die war mind 50) ein „Problempferd“ geritten ist und mir kamen die Tränen so schlimm war das 🙁
            Also ich denke das war nicht im Sinne Karls, aber wie konnte so eine Person so viele Lizenzen (bzw das sind auch Level bei ihm oder?) erreichen?!
            Sie ist mit Kappzaum und Gebiss geritten, wobei der Kappzaum nur dazu diente wie ein viel zu kurzer ausbinder das Pferf einzurollen, ab der ersten Sekunde nach dem Aufsitzen. Sie hatte total Angst vor dem Pferd und hat ihm 0 Freiheiten gelassen. Und auf jede meiner Fragen (ich kann mich dann ja nich zurückhalten) kam nur die Antwort, dass er früher ja noch viiiel schlechter gelaufen sei.. is klar!
            Das einzige Problem, dass das Pferd hatte, war, dass ihm nie zugehört wurde!
            Ich habe selbst mit ihm am Boden gearbeitet (da er nach 2 Jahren Beritt von meiner allerliebsten super tollen Trainerin keine Muskeln mehr hatte, um überhaupt irgendetwas tragen zu können) und er hat schreckliche Verhaltensstörungen gezeigt (z.B. mit den Zähnen geklappert – aber alle 3 Sekunden! 🙁 ), die haben nach ein paar Trainingseinheiten, in denen ich ihm einfach Aufmerksamkeit geschenkt habe und ihm „zugehört“ habe fast ganz verschwunden sind..

            Guut, jz bin ich etwas ausführlich geworden 😀
            also ich schaue mir den Karl nochmal genauer an, denn die gute Frau hat sein Konzept mit Sicherheit nicht in seinem Sinne ausgeführt.

            Die Aguilars habe ich auf der Equitana gesehen, die haben das wirklich super gemacht. Arien wollte ein Pferd über eine Plastikplane schicken und hat ihm so viel Zeot gegeben wie es eben brauchte (da sind richtig viele leute auggestanden und weggangenwar ja voll unspektakulär) und gerade das hat bewiesen, dass er die Sache für das Pferd gemacht hat und nich füf das Publikum.

            So, noch ganz kurz zu Sabine Birmann..
            Also mit Gymnastizieren ist ihren Büchern und YT Videos (konnte leider noch kein Seminar besuchen) echt nicht so viel.
            Aaber die Rückenmuskulatur der Pferde sieht schon echt gut aus. Also vielleicht ist auch einfach das Bild, das man im Kopf hat, wie ein Pferd aussehen soll wenn es gymnastiziert läuft zu überholen.. Auch wenn mittlerweile Rollkur nicht mehr praktiziert wird sehe sehe ich immernoch viel viel öfter eher eingerollte (kurz hinter der Senkrechten laufende) Pferde als Pferde die ihren Kopf frei bewegen dürfen.

            Schwierige, große Themen, die sicherlich noch lange diskutiert werden.
            Aber es ist gut, dass sie diskutiert werden und aktuell sind, denn so kommt man hoffentlich zu Ergebnissen, die den Pferden helfen! 😉

            LG 🙂

  15. Liebe Saskia, kann Deinen Artikel nur voll und ganz unterschreiben. Ich sah die Live-Parelli Show aus der ersten Reihe, war total entsetzt!! Ein Pferd das nicht „mitspielen“ wollte wurde solange mit einer superlangen Teleskop-Peitschen von Parelli selbst, in der großen Halle 10 Runden im Strafgalopp aussen rumgehetzt, bis es dann schweißig, mit aufgerissenen Augen, schwer atmend bei seiner Besitzerin direkt vor mir endlich wieder stehen bleiben durfte!!! Das nannte er freiwillige Bindung und selbstgefällig lächelnd Liebe.
    Für mich sah es aus wie abgestumpfte Marionetten, die aufgegeben haben an ein eigenes Leben zu denken.

    Passt für mich zu einem Buch von Mark Rashid. Es gibt herrschsüchtige Pferdeführer, Leithengste, die sehr dominant sind, und damit sehr ängstliche Pferde in der Herde haben. Er nennt dies aktiv Leader.
    Der passiv Leader trinkt mit seiner Herde neben einander. Die Herde ist friedfertiger, harmonischer und ausgeglichener. Die Herdenmitglieder sind eigenständiger und machen auch eigene Vorschläge. Wenn die Herde in eine schwierige Situation kommt, gibt der Leithengst, oder die Leitstute ein Zeichen und alle folgen – freiwillig, weil sie im Vertrauen sind und wissen, jetzt muss ich zuhören.

    Ich besaß einen aktive Leader Wallach, fast bösartig und aggressiv. Wenn er trank mussten die anderen manchmal 30 Minuten warten. Erst wenn er Bock hatte ging er und die anderen durften endlich auch trinken.
    Durch Bodenarbeit, Homöopathie und meine Aufstellungsarbeit heilte ich einige schwerwiegende Erlebnisse, warum er so aggressiv war. Innerhalb von 2 Jahren wurde er zum passiv Leader. Wenn mein Mann ihn rief zum Weidewechsel, kam er, stieg freiwillig ins Halfter. Die Gruppe durfte mit ihm aus einem Trog trinken. Und immer war eindeutig Boss.

    Ich bin und will ein passive Leader sein. :-))

  16. Schon vor 12 Jahren hörte ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Hundecoach über Parellis Methode. Mag. Heidrun Krisa (Ethologin), hatte eine Einführung gesehen und schilderte mit entsetzen, was sich bei der Vorführung abegspielt hatte. Von feiner Kommunikation war nichts zu bemerken, es wurde immer mehr Druck aufgebaut und das Pferd wurde dabei in die Enge getrieben . Dann bekam ich unerwartet kurze Zeit später ein Hengstfohlen, dass in einem Westernstall untergebracht war. Da ich keine Erfahrung mit Hengstaufzucht hatte, riet man mir, einen Trainer zu Rate zu ziehen. Dieser erklärte mir, welche 7 Spiele wir üben müßten und begann mit einem Join up ! Mein Fohlen war damals gerade 6 1/2 Monate alt. Mir gefielen weder die Erklärungen, warum man kein Futter als Belohnung verwenden soll (kein Pferd würde ein anderes füttern ) noch die Übung selbst. Sie erzeugte massiven Stress, was dazu führte, dass mein kleiner Kerl nach dem Trainer auskickte. Dieser war entsetzt über das dominante Verhalten und riet mir, diese Übung häufig zu wiederholen. Ich beschloss, alleine und mit positiver Bestärkung gekoppelt mit all dem, was ich auch in der Hundeerziehung unterrichte (Desensibilisieren, Changing Assossiation usw…) weiterzumachen. Mark Rashid hat mich sehr beeindruckt, weil ich erstmals von einem Pferdemenschen etwas zu lesen bekam, dessen Handeln mit der Lerntheorie einherging. Sicher sind mir bei der Erziehung Fehler unterlaufen, es war auch nicht immer leicht, aber es war die richtige Entscheidung – trotz aller Prognosen, dass ich dieses Pferd gefährlich mache. Heute gefällt vielen, dass er einen klaren Kopf hat und selbstbewußt ist. Aus Interesse habe ich viele Kurse – ohne Pferd – besucht, darunter NH und Parelli-Trainer, wie Honza und andere bekannte Namen. Was ich gesehen habe, hat mich entsetzt, die Erklärungen waren tw. haarsträubend! So wurde das Ausschlauchen eines Wallachs beim Arbeiten als Dominanzgeste kritisiert, die zeige, wie schlecht es um das Verhältnis der Besitzerin und ihrem Pferd bestellt sei, weil die Rangfolge nicht klar sei. Auch der Ansatz von Honza, ein Pferd absichtlich zu Fehlern zu verleiten um es dann (unsanft) zu korrigieren, hat mich entsetzt, ganz zu schweigen von dem massiven Zwang (Einsatz von Gerte, um es vorsichtig auszudrücken) der angewendet wurde, um ein Pferd Übungen machen zu lassen, wozu es nicht imstande war. Mir wurde bewußt, dass die meisten weder über Wissen über Verhaltensbiologie, noch über Lerntheorie, noch anscheinend über Empathie verfügen. Das hat mich schockiert. Ach ja, pardon, wer sich empathisch zeigt, vermenschlicht ja, das Pferd sieht das natürlich ganz anders. Andererseits kann man derlei Umgang auch bei herkömmlichen FN Trainer beobachten, dabei sollte das die ‚Kenntnis von Verhalten und Lerntheorie die Grundlage jeglichen Tranings darstellen – ohne dem ist ein sinnvolles Arbeiten gar nicht möglich! Aus diesem Grunde sind viele Trainer recht rasch auch wieder aus unserem Leben ausgeschieden.

    • Hallo Sonja,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Erfahrungsbericht. Du hast ja noch viel mehr Erfahrung mit Parelli und co. gemacht als ich. Schön, dass Du dann mit Deinem Pferd doch den richtigen Weg gefunden hast.
      Ich bin auch ein großer Fan von Mark Rashid. Er scheint sich ganz individuell mit jedem Pferd auseinanderzusetzen. Bei Parelli hat mir missfallen, dass so systhematisch vorgegangen wird, also dem Pferd auch keine Stimme gegeben wird.
      Kenntnisse von Verhalten und Lerntheorie gehört für mich absolut dazu. Die Schwierigkeit besteht darin, auch ohne große Erfahrung, die Trainer richtig einschätzen zu können. Sein Pferd wird einem da schon offen und ehrlich sagen, wie es sich fühlt.

      Viele liebe Grüße, Saskia

  17. Maria

    Auch ich habe PP-horsemanship mit meiner jungen Stute durch. Nachdem ich bei einer Trainerin war habe ich mich langsam davon distanziert. Was sie auf jeden Fall konnte, war das Einschätzen meines Pferdes. Sie hat sehr deutlich sagen können was es braucht, was es stört und was man verändern muss. Nur die Umsetzung war sehr sinnlos/gewalt beinhaltend… Wie davor erwähnt sind einige Ansätze und Gedanken von PP über die Kommunikation mit dem Pferd sehr hilfreich und gut durchdacht, aber es scheitert an der Durchführung. Was mein Pferd davon gut tat, war die Tatsache dass es mich einschätzen konnte, was als nächstes kommt. Dennoch hatte ich das Gefühl durch die 4 Stufen meinem Pferd die Stimme zu nehmen. Es nicht ‚Nein‘ sagen zu lassen. Durch positive Verstärkung hat sie gelernt sich selbst etwas zu erarbeiten, das hat ihr selbstvertrauen gestärkt und sie war deutlich ausgeglichener. Es ist unglaublich wichtig, dem Pferd eine Stimme zu geben! Und nicht versuchen es zu übertönen. LG 🙂

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrung. Ich bin da total bei Dir. Man sollte immer auf die Stimme des Pferdes hören und sie nicht unterdrücken. Positive Verstärkung ist auch mein Weg, wobei das natürlich nicht immer anwendbar ist. Beim Reiten zum Beispiel verleihen wir alleine schon durch unsere Schenkel Druck.

      Viel Spaß weiterhin auf Deinem Weg! Viele Grüße, Saskia

  18. Vielen Dank für den Bericht.

    Auch ich fand Parelli und alles was ich von Ihm, oder seiner Familie bisher gesehen habe sehr verstörend.
    Habe ihn selbst live bei der Equitana das erste Mal gesehen und diese „Show“ war auch echt nicht schön anzusehen…
    Dachte erst o.k. vll wollte er nur ne Show abziehen für die die eh keine Ahnung hatten… Aber nachdem ich jetzt ein paar weitere Videos gesehen habe. Unter anderem das erwähnte von Linda Parelli, vertrete ich ganz deine Meinung.

    Natural Horsmenship an sich finde ich nicht verkehrt. Ich sehe mir besonders gerne Kenzie Dysli an, weil man hier die Vertrautheit sieht (auch nur durch Videos) die sich mit den Pferden hat.

    LG Gina

    • Hallo Gina,

      vielen Dank für Deinen Bericht. Live habe ich Parelli noch nie gesehen, nur ausgebildete Trainer von ihm und das war wirklich sehr schön, was die gezeigt haben.

      Und ja, Natural Horsemanship ist ja nicht gleich Natural Horsemanship 😉 Jeder versteht ja etwas anderes darunter. Kenzie Dsysli finde ich auch klasse.

      Viele Grüße, Saskia

  19. Stephanie

    Hallo Saskia,
    ein schöner Artikel, der sich zum Teil mit meinen Erfahrungen deckt.
    Es gibt von Parelli auch Sachen, die weniger bekannt sind aber meiner Ansicht nach viel interessanter als die 7 Games: die Horsenalities (Pferdegrundtypen) können helfen, sein Pferd besser zu verstehen. Dann hat er mal gesagt, man solle Zeit mit seinem Pferd verbringen, ohne etwas von ihm zu wollen. Also z. B. im Auslauf zusammen stehen, dösen, Fliegen scheuchen, nichts tun (fällt uns Menschen ja schwer, Pferde tun das recht häufig). Das finde ich einen seiner besten Tipps 🙂 Außerdem hat er mal gesagt, man braucht Hände, die langsam schließen und sich schnell öffnen. Das finde ich einen wirklich hilfreichen Alltags-tipp.
    Ansonsten kommt man leider-gottseidank nicht ums selber denken herum und jeder muss mit seinem Pferd den gemeinsamen Weg finden…
    Viele Grüße,
    Stephanie

    • Hallo liebe Stepahnie…danke Dir!
      Die Sache mit den Grundtypen finde ich auch interessant, gibt es aber auch von Linda Tellington und dort meiner Meinung nach noch wesentlich ausführlicher.
      Das Nichts-Tun mit dem Pferd empfinde ich auch als sehr wichtig. Einfach nur mal die Zeit auf der Koppel genießen und den Pferdne zu schauen. Das habe ich schon immer sehr viel gemacht. Genau, ich finde es gut, dass Parelli zum Nachdenken anregt, aber was er sagt ist nicht unbedingt etwas Neues.
      Seinen eigenen Weg finden…so ist es. Manchmal wohl gar nicht so einfach. Liebe Grüße, Saskia

  20. Anna

    Also ich denke, dass es auch hier wieder auf die Ausführung der Methode auskommt – und natürlich auf das Pferd-Mensch-Paar.
    Ich habe zwei Reitbeteiligungen, einen jungen Wallach und eine 12jährige Stute, die als Schulpferd unterwegs ist… Beide sind wundervolle Persönlichkeiten und grundverschieden.
    Er ist ziemlich selbstbewusst, aufmüpfig und frech. Ich meine das nicht im negativen Sinne, er ist ja noch jung =) Aber für ihn ist die auf Druck basierte Methode richtig, er „kann das ab“.
    Die Stute hingegen würde ich niemals nach PP oder sonst wie bewusst mit Druck trainieren, da sie relativ introvertriert ist. (Leider hat man da als RB nicht so viel mit zu reden :/ ). Für sie wäre der Weg der postitiven Verstärkung richtig, damit sie mal wieder aus sich raus kommt und auch lernt, dass die Arbeit mit dem Menschen toll sein kann. Der Wallach würde einem auf der Nase herumtanzen.

    Was ich damit sagen will? Nicht alles ist schwarz und weiß. PP hat auch durchaus seine guten Seiten. =) Aber natürlich sind die Videos nicht schön und ich unterstütze das auch keineswegs!! Doch ich denke im Endeffekt kommt es darauf an, was der Einzelne daraus macht. =) Diese verallgemeinerungen finde ich immer schwierig.

    Was natürlich stimmt: Auch rennomierte Trainer sollte man regelmäßig hinterfragen, man sollte ich sein Pferd anschauen und fragen: Ist das dass richtige für uns?

    • Hallo Anna,
      schön, dass Du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Ich gebe Dir da durchaus Recht: Nicht jede Trainingsmethode ist für jedes Pferd geeignet. Man muss seinem Tier gut zuhören, um das überhaupt zu erkennen. Bei mir war es ähnlich. Ich habe PP mit einer Stute gelernt, deren Besitzerin begeistert von dem System war. Sie hatte ihre ganz eigenen Gründe dafür, die ich auch nachvollziehen konnte, aber das waren halt nicht meine. Positive Verstärkung hätte der Stute sicherlich auch viel geholfen, um Selbstbewusstsein aufzubauen.

      Ich habe in meinem Artikel ja auch geschrieben, dass es eine gute Seite hatte, dass ich den PP Weg für kurze Zeit eingeschlagen habe und nicht alles, was PP erzählt ist verkehrt, auf keinen Fall. Solche Videos sind auch immer Momentaufnahmen, doch gerade als weltbekannter Trainer sollte man sehr darauf achten, was man nach außen hin zeigt.

      Viele Grüße, Saskia

  21. Freya Prahst

    Auch ich habe interessehalber einmal einen PP-Kurs mitgemacht.Mein Pferd hat den psychischen Druck nicht ertragen und begann aggressiv zu werden.Allein sie auf den Hänger zu schicken hat die liz.Trainerin über eine Stunde gekostet,mein Pferd war klatschnass geschwitzt und nicht auf dem Hänger!Ein junger Pferdemensch hat sie wieder geerdet und…mein Pferd ging freiwillig in den Hänger!

    • Hallo Freya,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Das bist Du wohl wie ich nicht gerade an eine gute Trainerin geraten. Dass muss ja dann noch nicht mal an der Trainingsmethode liegen. Mir war da auch viel zu viel Druck im Spiel. Schön, dass Du es so schnell bemerkt hast und Dein Pferd jetzt einen anderen Weg kennen lernen darf.
      Viele Grüße, Saskia

  22. Mein erster Kontakt zum Horsemanship kam über Parelli, und bis heute beschäftige ich mich damit – wenn auch nicht mehr ausschließlich. Der Zweck des Circling Games: Du gibst dem Pferd die Verantwortung, dass es eigenständig Gangart und Richtung beibehält – so lange, bis du etwas anderes willst. Wichtig ist, dass du dabei „neutral“ bist. Dein Nichtstun soll für das Pferd etwas Angenehmes werden – so dass du „neutral“ als Belohnung einsetzen kannst. Für Parelli ist Circling Game gerade am Anfang eine Übung für den Kopf des Pferdes, nicht für den Körper. Stellung und Biegung kommen erst später dazu.

    • Hi Nadja, hast Dich tatsächlich durchgelesen?! 🙂 Meine Texte müssen eindeutig kürzer werden.
      Danke für die Erklärung. „Neutralität ausstrahlen“ und Pausen setze ich auch heute noch als Belohnung ein. Ich hatte wohl mit dieser Trainerin auch einfach Pech und bin mit diesem Dogmatismus des Systems einfach nicht klar gekommen. Ich kenne aber auch viele, denen Parelli unglaublich viel weiter geholfen hat. Mein Weg ist es nicht, aber gelernt habe ich dennoch viel und es hat mich bei vielen Dingen zum Umdenken bzw. Nachdenken gebracht. Das ist ja schon mal viel wert.
      Liebe Grüße, Saskia

    • Rainer

      Gut erklaert! Es steht im Gegensatz zum Longieren bei dem der Longenfuehrer staendig auf das Pferd einwirkt(Micromanagement), was das Pferd eher abstumpfen laesst.
      Die meisten Longieren ihr Pferd um ihm Bewegung zu verschaffen und weniger um es zu gymnastizieren, dann macht Longieren eher Sinn.