Saskia mit Hannoveranerstute High Noon. Foto: A. Blank (privat)

Tipps gegen die Angst beim Reiten

In meinem letzten Blogartikel habe ich Dir von meinem ganz persönlichen Erlebnis mit der Angst beim Reiten erzählt. Auch wenn Deine Angst vielleicht andere Ursachen hat, möchte ich Dir heute ein paar Gedanken mit auf den Weg geben, die mir geholfen haben, meine Angst zumindest etwas zu lindern. Im dritten Teil habe ich dann ein Interview mit Alexandra und Maik von Angst-Reiter-Therapie für Dich, in dem Dir die Beiden nützliche Tipps gegen die Angst geben und ihr Therapiekonzept vorstellen. Wenn Du diesen Beitrag auf keinen Fall verpassen möchtest, kannst Du Dich hier für den kostenlosen Newsletter anmelden.

1.) Du bist nicht alleine

So, wie ich es erlebt habe, scheint Angst beim Reiten oder vor dem Pferd ein Tabu-Thema zu sein. In meinem alten Stall wurde mir und meiner Angst kein richtiges Verständnis entgegen gebracht. Dadurch habe ich mich sehr alleine mit meinen Sorgen gefühlt. Aber ich kann Dir versichern, DU BIST NICHT ALLEINE mit Deiner Angst. Im Nachhinein habe ich sehr viele Menschen getroffen, die mit den gleichen Gefühlen zu kämpfen haben. Geschichten wie meine zu hören oder im Internet zu lesen, hat mir sehr geholfen.

2.) Suche Dir Hilfe

Wenn die Stute, vor der ich solche Angst hatte, nicht nach Österreich umgezogen wäre, hätte ich mir professionelle Hilfe geholt. Du kannst noch so viel lesen und Dich informieren, aber mit einem guten Trainer wirst Du sicherlich viel schneller Deine Angst abbauen. Es ist auch absolut keine Schwäche nach Hilfe zu fragen. Im Gegenteil, Du tust Dir und Deinem Pferd etwas Gutes. Wenn Du also merkst, dass Deine Angst über die Zeit nicht verschwindet oder sogar noch stärker wird, suche Dir jemanden, der Dich mit Deiner Angst ernst nimmt und Dich auf Deinem Weg unterstützt.

3.) Absteigen ist völlig okay

Ich habe zwar versucht zu vermeiden auf dem Reitplatz abzusteigen, aber meist nur aus Angst vor den Blicken der anderen. Vergiss die Anderen! Wenn Dein Herz klopft und das Kopfkino eh schon läuft, dann steige lieber ab. Es ist wirklich niemandem damit geholfen, wenn Du versuchst auf Deinem Pferd sitzen zu bleiben. Im Gegenteil, die Situation kann dann erst Recht gefährlich werden. (Lesetipp: Alessa schreibt auf ihrem Blog Kein falscher Stolz: Das Absteigen beim Reiten)

4.) Lerne Dein Pferd und Dich neu kennen

Weißt Du wann Dein Pferd frisst, ruht oder schläft? Kennst Du seinen besten Freund in der Herde, mit dem er sich immer krault? Ich kann Stunden auf der Koppel zubringen und mein Pferd und seine Kumpels beobachten. Ich habe dabei unglaublich viel über ihn gelernt und weiß inzwischen ziemlich gut, wann er aktiv ist und wann ich ihn lieber in Ruhe lassen sollte. Also nimm Dir die Zeit und lerne Dein Pferd außerhalb vom Trainingsalltag kennen. Eine solche Auszeit wird Dir neue Kraft geben und Du wirst besser einschätzen können, wann Dein Pferd wie reagiert und vor allem warum.

5.) Lass Dir Zeit

Man sagt ja: Zeit heilt alle Wunden. Ich weiß zwar nicht, ob Zeit auch Angst heilen kann, aber falls Deine Angst durch eine bestimmte Situation hervorgerufen wurde, dann wird das Gefühl der Angst mit der Zeit weniger werden. Es wird nicht unbedingt verschwinden, aber die Erinnerungen werden verblassen. Gib Dir die Zeit, die Du und Dein Pferd brauchst, um über die Angst hinwegzukommen. Keiner erwartet von Dir, dass Du morgen wieder angstfrei in den Stall fährst.

6.) Angst ist nichts Schlimmes

Zunächst ist Angst ein angeborenes Gefühl, dass uns vor Gefahren schützen soll. Meine Angst war eher irrational. Mir ist ja noch nicht mal etwas passiert. Meine Psyche hat sozusagen die Kontrolle übernommen, aber auch das ist nichts Schlimmes oder Unnormales. Versuche die Angst als etwas Natürliches anzunehmen und nicht dagegen anzukämpfen. Vielleicht hilft es Dir sogar, Dir selbst erst einmal einzugestehen, dass Du Angst vor Deinem Pferd oder bestimmten Situationen hast und Dich dann erst auf die Suche nach Hilfemöglichkeiten zu machen.

7.) Betreibe Ursachenforschung

Ich habe nie herausgefunden, warum die Stute an diesem Tag so scheute und buckelte. Oft ist es aber eine ganz konkrete Situation, die Dein Pferd durchgehen lässt. Versuche herauszufinden, was Deinem Pferd Angst bereitet und überlege, wie Du mit der Situation umgehen kannst. Wingardio hatte zum Beispiel große Angst vor Autos, was nicht verwunderlich war, weil er diesen großen Blechungeheuern in seinem bisherigen Leben kaum begegnet war. In dem Fall habe ich nicht offensiv versucht ihn an Autos zu gewöhnen, bin ihnen aber auch nicht aus dem Weg gegangen. Auf unseren Spaziergängen sind wir immer wieder welchen begegnet und er hat gelernt, dass sie ihn weder auffressen noch verfolgen. Hätte er ein unangenehmes Erlebnis mit einem Auto, wäre ich vermutlich anders vorgegangen. Oft ist es gar nicht so leicht zu verstehen, warum Dein Pferd vor etwas Angst hat.

8.) „Knie zu und durch“ hilft genauso wenig wie „Zähne zusammenbeißen“

Mein damaliger Reitlehrer sagte mir in den Situationen, in denen ich eigentlich am liebsten abgestiegen wäre, dass ich doch einfach meine Knie schließen solle und über den Punkt hinweg reiten müsse. Solche Ratschläge haben mir nicht geholfen, sondern mich nur noch mehr verkrampfen lassen. Also habe ich versucht sie auszublenden.
Es gab auch Tage, an denen ich mit dem festen Gedanken zum Stall gefahren bin, dass ich mich heute nicht von der Stute ins Boxhorn jagen lasse. Meist war der Gedanke schon auf dem Weg zur Koppel verflogen. Wenn Du keine richtige Strategie hast, die Du am besten mit jemandem zusammen erarbeitest, wirst Du Dich nicht „zusammenreißen“ können und Deinem Pferd wirst Du nichts vormachen können.

9.) Überlege Dir, ob für Dein Pferd und Dich eine Trennung besser wäre

Nachdem die Stute nach Österreich umgezogen ist, hatte ich noch eine andere Reitbeteiligung, deren Besitzerin dieses Pferd gerne in gute Hände verkaufen wollte, weil sie solche Angst vorm Reiten hatte, dass sie keine andere Möglichkeit sah. Ich finde es wahnsinnig mutig, eine solche Entscheidung zu treffen und in diesem Fall war es auch absolut nachvollziehbar. Niemandem war mit der gegebenen Situation geholfen. Heute hat das Pferd zwei ganz tolle Besitzer und ihre ehemalige Besitzerin eine wunderbare Beziehung zu einem anderen Pferd aufgebaut. Ich glaube, jedem und vor allem den Pferden geht es mit der heutigen Situation besser. Wenn Du also alles für Dich und Dein Pferd versucht hast und Deine Angst nicht besser wird, dann darfst Du ohne schlechtes Gewissen auch mit dem Gedanken spielen, Dich von Deinem Pferd oder von Deiner Reitbeteiligung zu trennen.


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Hast Du noch weitere Ratschläge, was man gegen die Angst beim Reiten oder gar vor dem eigenen Pferd unternehmen kann? Was hat Dir geholfen?

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