Bürokratie beim Pferdekauf. Foto: Saskia Blank / PferdeSpiegel.com (privat)

Serie: Equidenpass, Versicherungen und Seuchenkasse – Bürokratie beim Pferdekauf

Du hältst den Kaufvertrag für Dein Pferd in den Händen? Herzlichen Glückwunsch! Gleichzeitig sollte Dir die Vorbesitzerin oder der Vorbesitzer den Equidenpass und die Eigentumsurkunde bzw. den Abstammungsnachweis ausgehändigt haben. Jetzt fehlen nur noch eine Tierhalterhaftpflichtversicherung und gegebenenfalls eine OP-Versicherung sowie die Meldung bei der Tierseuchenkasse und der bürokratische Teil des Pferdekaufs ist abgeschlossen.

Der Equidenpass für Freizeitpferde

Seit 2009 muss per Gesetz auf jedes Pferd ein Equidenpass ausgestellt werden. Dieser ist so etwas wie der Personalausweis Deines Pferdes. Dort sind alle Merkmale zu finden, die Dein Pferd äußerlich charakterisieren. Außerdem sind dort die Mikrochip Nummer und alle bereits vorhandenen wichtigen tierärztlichen Behandlung wie beispielsweise Impfungen vermerkt.

Im Equidenpass wird außerdem festgelegt, ob ein Pferd „Nicht zur Schlachtung“ bestimmt ist. Ist das der Fall, kann das Pferd auch mit nicht speziell für Tiere zugelassenen Medikamenten behandelt werden.

Der Equidenpass ist kein Dokument, das beweist, wem das Pferd gehört. Dazu dient die Eigentumsurkunde, wobei es selbst darum bereits diverse Rechtstreits gab. Wenn Du möchtest, dass Deine Daten als neuer Eigentümer auch im Equidenpass mitaufgeführt werden, dann musst Du den Equidenpass entweder an die zuständige Zuchtorganisation oder an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) schicken; je nachdem wer den Pass ausgestellt hat. Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass ausschließlich die FN dafür zuständig ist. Übrigens ist ein Transport eines Pferdes innerhalb der EU ohne Equidenpass nicht zulässig.

Am besten machst Du eine Kopie vom Equidenpass und bewahrst den Originalpass direkt im Stall auf, möglichst so, dass in einem Notfall auch eine „dritte“ Person wie etwa der Stallbesitzer den Pass finden und einem Tierarzt vorzeigen kann. Der kann dann schnell erkennen, ob Dein Pferd zum Beispiel gegen Tetanus geimpft ist und im Notfall – bei einer drohenden Blutvergiftung – nachimpfen.

Die Eigentumsurkunde

Durch den Besitz dieses Schriftstückes kannst Du bezeugen, dass Du der Besitzer Deines Pferdes bist. Die Urkunde wird bei dem jeweiligen Zuchtverband ausgestellt, bei dem das Pferd eingetragen ist.

Versicherungen

Es gibt viele verschiedene Versicherungen für Tiere, jedoch ist keine gesetzlich vorgeschrieben. Ich würde Dir aber unbedingt zu einer Tierhalterhaftpflichtversicherung für Pferde raten. Den Schaden, den ein Pferd anrichten kann, kann von einem kaputten Sattel einer Stallfreundin, auf den Dein Pferd ausversehen drauf gesprungen ist, bis hin zu einem Verkehrsunfall, weil Dein Pferd aus der Koppel ausgebrochen ist und ein Autofahrer beim Ausweichen einen Unfall gebaut hat, reichen. Die Kosten, die dann auf Dich zukommen, weil Du als Tierhalter dafür haftest, können Dich persönlich ruinieren. Da würde ich lieber monatlich Geld in eine Haftpflichtversicherung stecken in der Hoffnung, dass ich diese niemals in Anspruch nehmen muss.

Zusätzlich habe ich noch eine OP-Versicherung. Ob man diese braucht oder nicht, darüber lässt sich streiten. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich bei dem Gedanken an eine mögliche OP, die schnell einige tausend Euro kosten kann, nicht mehr ruhig schlafen konnte. Ich möchte nicht, dass Geld darüber entscheidet, ob ich meinem Pferd eine OP ermöglichen kann oder nicht. Aber wie gesagt, dass ist sicherlich eine sehr persönliche Entscheidung. Auf Chevalie findet ihr – wie ich finde – eine sehr interessante Meinung von Sophie zu dem Thema: Welche Versicherungen für mein Pferd?

Meldung bei der Tierseuchenkasse

Ich glaube die wenigstens Pferdebesitzer wissen, dass sie ihr Tier bei der Tierseuchenkasse melden müssen. Leider kann ich hier keine grundlegende Aussage dazu machen, weil jedes Bundesland andere Regelungen hat. In einigen Ländern muss nicht der Pferdebesitzer, sondern zum Beispiel der Pensionsstallbesitzer die eingestellten Pferde melden. Es gibt auch keine einheitlichen Beträge. In einigen Bundesländern sind Pferde und Ponys sogar befreit.

Aus den Beiträgen, die die Tierseuchenkasse von Rinder-, Schweine-, Schaf, – Ziegen-, Geflügel- und eben auch Pferdehaltern einnimmt, werden im Fall einer auftretenden und meldepflichtigen Seuche (Druse zählt hier übrigens nicht dazu) Entschädigungen für die Tierhalter bezahlt. Im Fall eines begründeten Seuchenverdachts, kommt es nämlich zu einer amtlichen Tötungsanordnung. Sind Pferde betroffen, haben die Besitzer Anspruch auf Entschädigung, wenn er oder sie in die Tierseuchenkassen eingezahlt hat. Definitiv kein schönes Thema.


Hast Du Fragen dazu? Fallen Dir noch mehr bürokratische Dinge ein, die es als frisch gebackener Pferdebesitzer zu bewältigen gibt?

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5 Kommentare

  1. Sehr interessant, danke für die Zusammenfassung, liebe Saskia! Hier in Österreich ist das ganz ähnlich. Nur von einer Meldepflicht bei Seuchenkassen wüsste ich hier nichts :)

    Liebe Grüße, Tanja :)

    • Hi Tanja, Danke Dir! :) Über diese Meldung weiß hier fast auch keiner Bescheid und gesetzlich verpflichtend ist es meines Wissens auch nicht. Als „Nutztierhalter“, was wir Pferdemenschen ja sind, ist das so ein wenig ein Beitrag dazu, wenn eine Seuche ausbricht und ein Bauer zum Beispiel seine Existenz verliert. So sehe ich das, aber meistens sind die Beiträge für Pferdehalter super klein.
      Liebe Grüße Saskia

  2. Hallo Saskia,

    ich habe mich in deinen Artikel reingeklickt, da das Thema bei mir langsam aktuell wird aber psst ;)
    Ich habe nicht erwartet etwas zu lesen, dass ich noch nicht weiß, aber doch! Das mit der Seuchenkasse wusste ich gar nicht.
    Wobei ich sagen muss, wenn mein Pferd tatsächlich aus solch einem Grund gezwungener Maßen getötet werden muss, würde kein Geld der Welt meinen Verlust entschädigen können.
    Mal schauen ob sich herausfinden lässt, ob es in RLP Pflicht ist, sich da zu melden.

    LG Nina

    • Hi Nina,

      ui wie spannend :) Hältst Du mich auf dem Laufenden?

      Ich habe das mit der Seuchenkasse damals auch vor meinen Pferdekauf durch Zufall erfahren. Eine Entschädigung ist das für uns ganz bestimmt nicht. Denke das ist eher für große Viehbetriebe gedacht, für die Seuchen wahrscheinlich die Existenz zerstören.

      Jedes Bundesland hat ne eigene Seite dafür. Hab bei meiner Recherche keins gefunden, wo Pferdebesitzer tatsächlich eine Gebühr zahlen müssen.

      Liebe Grüße zurück Saskia

      • Zum neuen Jahr hin wird es Neuigkeiten geben ;)

        Habe eben von einer Freundin erzählt bekommen dass es in RLP folgendermaßen ist: Man zahlt eine Jahresgebühr von nur 10 € – es ist aber wohl nicht verpflichtend. Anscheinend übernimmt die Tierseuchenkasse auch Kosten, wenn das Pferd schließlich irgendwann mal zum Abdecker muss.
        Angaben ohne Gewähr natürlich, aber es hört sich sinnvoll an.

        Denken wir nicht länger über das Thema nach als man muss ;)