Hagebutte für Pferde.

Hagebutten für Pferde: Mehr als nur Vitamin C Lieferanten

Die Frucht der Rosengewächse ist bei vielen Pferden und Menschen beliebt. Auch mein Pferd frisst sehr gerne sowohl frische als auch getrocknete Hagebutten. Immer wieder lese ich in Internet-Foren, dass die Früchte den Pferden wichtige Vitamine für den Winter liefern. Allen voran: Vitamin C. Davon strotzen die Hagebutten nämlich. Einige Arten weisen einen Vitamin C Gehalt von bis zu 4.000 mg pro 100 g auf. Bei derselben Menge frische Orangen sind es gerade mal 50 bis 100 mg Vitamin C. Und so klingt es zunächst einmal logisch, dem Pferd Hagebutten zu füttern, wenn das Immunsystem schwächelt oder der Fellwechsel ansteht. Dazu sei aber gesagt, dass Pferde im Gegensatz zu uns Menschen Vitamin C (Ascorbinsäure) im Körper selbst herstellen können. Hinzu kommt, dass bei Pferden, die artgerecht ernährt werden, bisher keine Vitaminmängel nachgewiesen werden konnten. Außerdem können Pferde Vitaminspeicher anlegen, um zum Beispiel gut über den Winter zu kommen. Selbst in gutem Heu sind noch Vitamine enthalten, wenn auch nicht in den Mengen wie in frischem artenreichen Weidegras. Vorstellbar wäre, dass ältere Pferde, bei denen die eigene Vitamin C Produktion nachlässt oder besonders gestresste und körperlich beanspruchte Pferde, von natürlichem zusätzlichen Vitamin C profitieren können, auch wenn dies bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Da Vitamin C wasserlöslich ist, ist zumindest ein Überschuss im Körper kaum möglich.

Weitere Inhaltsstoffe der Hagebutte

Neben dem Vitamin C gibt es noch einige für den Pferdekörper wichtigen andere Elemente. Allen voran Vitamin A in einer sehr hohen Menge:

  • Vitamine A, C, E, K1
  • Vitamine B1 und B2
  • Spurenelemente: Eisen, Fluor, Kupfer, Mangan, Zink
  • Carotinoide: Lycopine und Beta-Carotine
  • Galaktolipide
  • Ungesättigte Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure (vor allem in den Samen)
  • Pektin
  • Gerbstoffe

Vorkommen und Aussehen: Hagebutten selbst ernten

Als Hagebutte werden die Früchte der Rosengewächse bezeichnet. Es sind sogenannte Scheinfrüchte, da die eigentlichen Früchte in Form von Samen von der Schale eingeschlossen werden. Alle Rosenarten bilden Hagebutten. Am bekanntesten ist die Hunds-Rose (Rosa canina), deren Früchte besonders Vitamin C-haltig sind.

Die ersten Früchte entwickeln oft schon im September ihre markante rote Farbe und können dann eigentlich den ganzen Winter über geerntet werden. Ich pflücke sie meistens an trocknen sonnigen Tagen, wenn die Schale schon etwas weicher ist und ich sie leicht mit den Fingerspitzen eindrücken kann. Nach dem ersten Frost sollen sie angeblich süßer schmecken. Bei Klaudia von Two-Toned kannst Du nachlesen, wie man Hagebutten am besten trocknen kann.

Verfüttern kann man Hagebutten sowohl frisch als auch getrocknet. Am schonendsten ist die Trocknung an der Luft, beispielsweise auf einem Dachboden, dabei sollten die Früchte immer wieder gewendet werden, damit sie nicht anschimmeln. Ich habe sie auch schon im Backofen bei 100 Grad Celsius getrocknet. Das Vitamin C wird bei der Temperatur noch nicht zerstört, jedoch würde ich eine Lufttrocknung immer vorziehen, da andere Inhaltsstoffe durch Hitze zerstört werden könnten.

Pferde und Hagebutten: Wirkung

Hagebutten werden bei Pferden eine Stärkung des Immunsystems zugesprochen. Ob das auf den hohen Vitamin C Gehalt zurückzuführen ist, ist nicht bewiesen. Forschungen mit Menschen haben ergeben, dass sich die vor allem in der Hunds-Rose enthaltenen Galaktolipide positiv auf Arthrose-Erkrankungen auswirken, in dem sie die Schmerzempfindlichkeit verringern und entzündungshemmend wirken.1 Auch wenn es dazu noch keine Studien mit Pferden gibt, ist anzunehmen, dass ein ähnlicher Mechanismus auch bei Pferden dazu führt, dass sich eine Fütterung positiv auf Gelenkerkrankungen auswirken könnte. Auch für ein gesundes Huf- und Haarwachstum wird Hagebutte empfohlen. Außerdem sollen Hagebutten die Durchblutung fördern und Niere und Leber stärken.

Hagebutten in der Pferdefütterung

Gerade im Fellwechsel, wenn der Stoffwechsel besonders viel leisten muss, frisst mein Pferd sehr gerne frische Hagebutten auch mal mit einen ganzen Ast inklusive Blättern direkt vom Strauch. Pektin schützt übrigens die Darmschleimhaut vor Reizungen durch das sehr saure Vitamin C. Deswegen ist von Fütterung von reinem (synthetischem) Vitamin C abzuraten.

Da nicht jedes Pferd ein Fan dieser Früchte ist, würde ich es immer dem Tier überlassen, ob es die Hagbutten fressen möchte oder nicht. Das Verlangen danach kann zu verschiedenen Jahreszeiten unterschiedlich sein. Rosengewächse eigenen sich sehr gut als Paddockbegrenzung und können so zu einer natürlichen Futterstellen werden.
Ab Mitte September lasse ich mein Pferd die Früchte selbst pflücken (siehe Titelfoto) und später bekommt er bis zum Frühjahr getrocknete. Auch Bio-Hagebuttentee trinkt er im Winter gerne. Meistens verfüttere ich in etwa 10 Hagebutten am Tag (nicht täglich) beispielsweise als kalorienarme Belohnung beim Clickertraining. Wie bei allem Zusatzfutter sollte man natürlich auch hier nur in Maßen und über einen begrenzten Zeitraum füttern.


Wie ist es bei Dir? Frisst Dein Pferd gerne Hagebutten? Hast Du schon positive Effekte durch die Fütterung von Hagebutten feststellen können? Schreibe mir gerne Deine Erfahrungen in die Kommentare.


Quellen: u.a. 

1Chrubasik C., Duke R.K., Chrubasik S. The evidence for clinical efficacy of rose hip and seed: a systematic review. Phytother Res, 2006, 20(1), 1-3
Liath, Claudia: Das Kräuterbuch für Pferde. Noderstedt: Books on Demand GmbH, 2012

Hinweis: Das Lesen dieses Textes ersetzt nicht den Besuch des Tierarztes. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden Deines Pferdes unbedingt einen Tierarzt zu Rate und bei der Fütterung von Kräutern einen Tierheilpraktiker.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Hagebutten für Pferde | TWO TONED

  2. Hallo,

    toller Artikel 🙂
    Unsere zwei Friesen lieben sie, egal ob getrocknet oder frisch.
    Ich füttere die Hagebutten als gesunden Leckerliersatz, oder als Kur im Herbst und im Winter.

    LG

    Anne

    • Hallo Anne,

      Danke Dir. Schon toll, was die Natur da schafft 🙂

      Liebe Grüße
      Saskia