Clickertraining für Pferde: Grundlagen, Training und Vorurteile

Vielleicht hast Du schon mitbekommen, dass ich das Clickertraining für Wingardio und mich entdeckt habe? Einen kurzen Moment habe ich auch darüber nachgedacht, hier mehr darüber zu schreiben, aber wozu das Rad neu erfinden, wenn es da draußen schon viele andere tolle Clicker-Ladies mit ihren Blogs gibt. Da ist zum Beispiel Tanja von Tash-Horseexperience oder Ann-Christin von Ponyliebe oder Sabine von Clickerpony. Ich hab sie nach ihren hilfreichsten und schönsten Clicker-Beiträgen gefragt und sie für Dich zusammengestellt. Bevor es zu den Grundlagen geht, erklärt Ann-Christin hier ganz einfach, was das Clickertraining eigentlich ist.

 

Grundlagen

Monatelang lag ein Buch zum Clicker-Trraining ungelesen bei mir rum und vermutlich hätte ich ohne die Mädels noch viel länger gebraucht, um mich dem Thema zu widmen. Meiner Meinung nach ist eine gute Vorbereitung das A & O beim Clickern. Also zum einen zu verstehen, welche Lernprozesse durchs Clickern angesprochen werden und zum anderen selber vorher ein paar Trockenübungen zu machen. Es ist nämlich gar nicht so leicht, zum richtigen Zeitpunkt zu clickern und sofort eine Möhrenscheibe zum Pferdemaul zu bekommen.

Tanja schreibt auf ihrem Blog, wie sie einem ihrer Ponys das Clickern beibringt: Jungpony-Serie: Clickern, die Anfänge. Ganz besonders empfehlenswert zu lesen, wenn Du zu Hause auch so ein kleines Schnappmonster hast 😉 Ich habe mit Wingardio eigentlich sehr ähnlich gestartet. Allerdings habe ich den Clicker erst ohne Target – ich verwende eine handelsübliche Fliegenklatsche – aufgeladen. Und es hat auch ein bisschen gebraucht, bis Wingardio tatsächlich meinen Zungenclick (Was das ist, erklärt Dir Sabine hier: Zungenclick – endlich mal die Hände frei haben 🙂) als Marker wahrgenommen hat.

Absolut wichtig gerade zum Anfang ist das Thema Höflichkeit und Entspannung. Man kann gar nicht genug sagen, wie wichtig diese Punkte sind. Ich habe schon von steigenden Pferden beim Training gehört. Übermotivation ist nicht selten zu beobachten und auch bei Wingardio sind bei der Kappzaumarbeit immer wieder Tendenzen davon zu erkennen. Die Schuld ist hier aber nicht beim Pferd, sondern– wie immer – einzig und allein beim Menschen zu suchen.

Wir arbeiten gerade an der Signalkontrolle. Das ist vor allem für mich ganz schön anstrengend und erfordert viel Konsequenz.

Für den Einstieg gibt es von Ann-Christin noch zwei Artikel inklusive Videos: Fáfnir lernt clickern und Fáfnir lernt clickern – Teil 2: Das Handtarget

Tanja von Tash-Horseexperience

Tanja von Tash-Horseexperience: „Ich hab das Clickern irgendwann ausprobiert und festgestellt, dass die Ponys mit riesiger Freude und Motivation mitarbeiten. Das war der Punkt, der mir bis zu diesem Zeitpunkt immer im Training gefehlt hatte. Meine Pferde bringen sich ein, entwickeln eigene Ideen und lernen sehr schnell. Der Spaß an der gemeinsamen Zeit findet auf beiden Seiten – Pferd und Mensch – statt. Die große Schwierigkeit liegt darin, diese Motivation nicht in Stress ausarten zu lassen, also eine gewisse Ruhe im Training zu erhalten. Der größte Fehler, der passieren kann, ist, dass Pferden oftmals nicht beigebracht wird, wie sie freundlich auf das Futterlob warten können. Clickern kann natürlich Bettler heranziehen, das Problem dabei liegt aber nicht am Leckerchen sondern an fehlenden Fähigkeiten des Trainers 🙂 Eine weitere Schwierigkeit stellen unbedacht erlernte Bewegungen / Kunststückchen dar. Diese jeweils unter Signalkontrolle zu bringen, ist nicht immer einfach und erfordert Konsequenz (ich nehme mich da auch nicht aus ;))“ Foto: Ulli Bruckmüller

 

Und wofür das Ganze?

Die meisten verbinden Clickertraining mit Zirkuslektionen und auch ich habe am Anfang nur dressierte Pferde vor meinem inneren Auge gesehen. Doch weder dressiere ich Wingardio, noch ist es mein vorrangiges Ziel ihm Steigen, Ablegen oder ähnliches beibringen. Desto mehr ich über das Clickern gelesen habe, desto mehr konnte ich mir vorstellen, dass Wingardio seine helle Freude daran haben würde. Wie wäre es dem schüchternen Kerl dazu zu bringen, über seine verhasste Plastikplane zu laufen oder endlich den rechten Vorderhuf artig lange in der Luft zu halten und das ganze so zu gestalten, dass er sich über sein eigenes Handeln pferdisch freut? Die Art der positiven Bestärkung, die das Clickertraining bietet, war unser Weg dorthin.

Vermeintlich simple Sachen wie Ruhiges Stehen lassen sich prima mit dem Clickertraining üben.

Sehr beeindruckend ist auch die Geschichte, wie Ann-Christin Rán ein Inhalationsgerät schmackhaft gemacht hat und das ganze ohne Futterlob. Sabine hat mittels Clickertraining viele nützliche Dinge etabliert, die den Besuch beim Tierarzt wahrscheinlich sehr viel einfacher gestalten: Medical Training oder auch Ohr-Target – Ran an die Löffel

Clickertraining lässt sich auch wunderbar für gymnastizierendes Training anwenden: Tanja erklärt hier sehr detailliert mit Video wie Du Deinem Pferd beibringen kannst, seine Hüfte zu Dir zu bewegen: Das Hüfttarget: So bewegst du das Hinterteil des Pferdes oder den Spanischen Gruß erarbeiten kannst.

 

Ann-Christin von Ponyliebe

Ann-Christin von Ponyliebe: „Clickern ist für mich die fairste und transparenteste Kommunikation mit dem Pferd. Gemeinsam können wir beide wachsen, uns selbst besser kennenlernen und dabei entspannt miteinander umgehen. Das Pony und ich – wir beide haben uns stark verändert seitdem ich mit dem Clicker arbeite und ich möchte diese neue, starke Verbindung nicht mehr missen!“ Foto: Ponyliebe Fotografie

Mit Vorurteilen aufräumen

Falls Du Dich entscheidest, mit dem Clickern-Training anzufangen, wirst Du sehr wahrscheinlich auch auf Menschen mit Vorurteilen treffen. Ich bin die einzige in meinem Stall, die clickert, und werde eher interessiert beäugt. Bisher habe ich nur interessante Gespräche mit anderen Einstellern geführt, ohne das Gefühl zu haben, mich verteidigen zu müssen, aber ich glaube, dass das leider eher die Ausnahme ist.

Ann-Christin hat gleich mal 7 Gründe aufgeschrieben, warum Du mit dem Clickern anfangen solltest. Da ist doch nicht mehr viel hinzuzufügen, oder? Und Tanja geht auf die häufigsten Clicker-Irrtümer ein und beschreibt, welche Probleme auftreten können.

Und falls Du immer noch mehr lernen und lesen möchtest, gibt es jetzt noch mehr Lesetipps:


 

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