Seelenkräuter für Pferde

Kräuter fürs Pferd – Wie sinnvoll ist die Fütterung eigentlich?

Ich möchte, dass mein Pferd so artgerecht wie möglich leben kann. Deswegen mache ich mir nicht nur Gedanken um seine Haltung, sondern auch um sein Futter. Ein Großteil der heute bekannten Pferdekrankheiten hat ihre Ursache in einer falschen bzw. nicht artgerechten Fütterung. Das liegt daran, dass der Darm und das Immunsystem in enger Verbindung stehen. Aber was genau bedeutet eigentlich „artgerechte Fütterung“? Immer öfter lese ich in Zeitschriften und im Internet davon, dass die Gesundheit des Pferdes mit der Fütterung von Kräutern unterstützt werden kann. Um dieser Aussage auf den Grund zu gehen, habe ich Herdis Hiller von der Krauterie um ein Interview gebeten:

Liebe Herdis, herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Vielleicht magst Du Dich erst mal kurz vorstellen?!

Herdis Hiller

Herdis Hiller mit ihrer Stute. Foto: Susanne Hauk

Liebe Saskia, ich danke Dir für Dein Interesse an Kräutern und artgerechter Fütterung und freue mich, dass dieses wichtige Thema immer mehr in den Fokus von Pferdeleuten gelangt.

Ich bin Phytotherapeutin für Tiere (und Pferdepsychologin) aus Überzeugung. Jeden Tag berate ich viele Tierhalter in Sachen Ernährung und Kräuterfütterung und freue mich sehr, dass ich zu einem artgerechteren Leben der Tiere beitragen darf.

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen einen Shop für Kräuter für Pferde und andere Tiere zu eröffnen?

Ich habe schon vor 15 bis 20 Jahren mein großes Interesse für Naturheilkunde entdeckt und nach und nach viele naturheilkundliche Methoden gelernt und ausprobiert wie Homöopathie, Schüssler Salze, Bachblüten usw. Natürlich kam ich auch irgendwann an der Pflanzenheilkunde nicht vorbei – und der Effekt hat mich echt umgehauen! Nichts zuvor hatte das Wohlbefinden der Tiere so eklatant verbessert. Ich war sofort Feuer und Flamme und begann mich auf die Pflanzenheilkunde und artgerechte Ernährung zu fokussieren. Der Weg zur Gründung der Krauterie war also fast so etwas wie eine logische Folge.

 

Pferden Kräuter zu füttern, scheint derzeit richtig „in“ zu sein. Warum glaubst Du, ist das so? Ist eine Kräuterfütterung wirklich für jedes Pferd sinnvoll?

Kräuter waren schon immer ein natürlicher Bestandteil der Nahrung eines wildlebenden Pferdes. Wir Menschen haben diese Option nur eine Zeit lang verdrängt und uns lange nicht dafür interessiert, was ein Pferd natürlicherweise frisst – und demnach auch braucht, denn schließlich hat sich die Verdauungsphysiologie des Pferdes mit der Domestikation nicht verändert. Erst die steigende Anzahl an fütterungsbedingten Krankheiten, Stoffwechsel- und Zivilisationskrankheiten sowie chronischen Beschwerden lässt immer mehr Menschen zurückkehren zu den Wurzeln der Pferdeernährung: viel Rohfaser bei wenig Energie plus Kräuter.

 

Häufig lese ich, dass PferdebesitzerInnen ihrem Pferd Kräuter als Mineralfutter geben. Reichen die Mineralien und Spurenelemente in den Kräutern tatsächlich aus, um den Mineralhaushalt eines Pferdes zu decken?

Das Thema „Mineralfutter aus Kräutern“ ist schwierig, weil es uns kaum möglich ist, die freie Natur in ihrer Komplexität abzubilden. Denn Kräuter haben ja nicht nur Mineralstoffe, Spurenelemente etc. sondern immer auch Wirkstoffe. Diese Wirkstoffe müssen aber ebenso zum Pferd passen wie die entsprechenden Nährstoffe. Achtet man hierauf nicht, können sich negative Effekte einstellen. Weiterhin dürfen diese Wirkstoffe nicht überdosiert werden. Wie aber kommt man an die benötigte Mindestmenge an Vitalstoffen, wenn man die Wirkstoffe nicht überdosiert? Darüber hinaus sollten Wirkstoffe nicht dauerhaft zugeführt werden. Ein Mineralfutter ist aber zum dauerhaften Verzehr gedacht. Du siehst, kein ganz einfaches Thema.

Darum bin ich eher dafür, Kräuter kurweise in Hinsicht auf deren Wirkstoffe zu füttern. Und wenn nötig entweder Algen als Mineralfutterersatz zu nehmen (Algen besitzen das größte Spektrum an Vitalstoffen, welches auf dieser Erde vorkommt) oder eben phasenweise ein sehr gutes Mineralfutter zuzufüttern.

 

Frisch oder getrocknet – was ist denn besser?

Ausschlaggebend ist die Ursprungspflanze. Ist diese minderwertig und/oder belastet, kann sowohl das frische als auch das getrocknete Kraut keine Wirkung haben. Wer frisch pflücken möchte, muss diverse Dinge beachten, um möglichst viel Wirkstoffe im Kraut zu behalten. Darum sind getrocknete Kräuter meist einfacher (auch in der Dosierung). Allerdings ist auch hier wieder die Qualitätsstufe wichtig, denn nur ein gesicherter Wirkstoffgehalt macht erst die richtige Dosierung und Wirkung möglich (hierzu sollte man möglichst Arzneibuch-Qualität kaufen). Getrocknete Kräuter haben natürlich darüber hinaus den Vorteil, dass sie auch dann einsetzbar sind, wenn die Pflanze gar nicht mehr wächst, blüht oder Samen darbietet und länger haltbar ist.

 

Gehen denn nicht viele Stoffe beim Trocken verloren?

Das hängt sehr von der Qualitätsstufe der Kräuter ab. Je besser das Kraut und effektiver und schonender der Trocknungsprozess, desto weniger Wirkstoffe gehen verloren.

 

Wie kommt ihr an Eure Kräuter? Wie muss ich mir die Trocknung und Lagerung vorstellen?

Wir beziehen unsere Kräuter von einem Großhandel, der Kräuter für Apotheken bereitstellt. Die Trocknungsverfahren sind so aufwendig und benötigen unglaublich viel Platz, dass wir das selbst gar nicht leisten könnten. Bei der Lagerung achten wir auf eine Temperatur von ca. 16 Grad, ohne Sonnenlicht, bei einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit.

 

In Deinem Shop steht, dass die Kräuter „Arzneibuch-Qualität haben“. Was bedeutet das? Und wären Bio-Kräuter nicht noch besser?

Arzneibuch-Qualität stellt einen Mindest-Wirkstoffgehalt sicher. Das tut Bio-Qualität nicht. Darum ist bei einer Kräuterfütterung, bei der es auf den Wirkstoffgehalt der Kräuter ankommt, Bio leider nicht die passende Qualitätsstufe. Eine Kombination aus beidem wäre natürlich genial…

Stoffwechse Kräuter fürs Pferd

Die Stoffwechsel Kräuter No. 2 sind ein Ergänzungsfutter zur Stärkung des natürlichen Cortisolspiegels und Fellstoffwechsels bei Pferden. Foto: Krauterie

Immer wieder überlegst Du Dir neue Kräutermischung. Gerade erst hast Du Saisonkräuter-Mischungen entwickelt. Wie gehst Du bei diesen Neuentwicklungen vor? Woher weißt Du, welche Kräuter zusammen in eine Mischung passen. Ich habe zum Beispiel mal gelesen, dass man auch nicht zu viele verschiedene Kräuter auf einmal verwenden sollte. Stimmt das und wenn ja warum?

In den Beratungsgesprächen mit Kunden wird immer wieder der Bedarf an bestimmten Mischungen deutlich. Ich notiere mir diese Inspirationen in meine persönliche „Diese-Mischungen-müssen-noch-entwickelt-werden“-Liste. Und wenn die Zeit reif ist, greife ich mir das entsprechende Thema raus, setze mich vor eine leere Excel Tabelle und schreibe die Pflanzen auf, von denen ich weiß, dass Sie gut passen könnten. Dann gehe ich auf die Wirkstoffebene und schaue, dass die richtige Kombination an Wirkstoffen in der richtigen Gesamtmenge in der Mischung enthalten ist und ob sich diese gegenseitig in die Quere kommen könnten. Die Gesichtspunkte, nach denen ich auswähle, stammen meist aus Studien, die zur jeweiligen Pflanze und Tierart gemacht wurden. Pflanzen und Rezepturen aus mittelalterlichen Quellen (Maria von Treben, Hildegard von Bingen etc.) verwende ich so gut wie nie. Bei den Saisonkräutern hingegen habe ich Pflanzen genommen, die zur jeweiligen Jahreszeit wachsen, blühen, Früchte tragen oder Samen ausbilden und die Einzeldosierung auf eine medizinisch nicht relevante Menge heruntergeschraubt. Bei den Seelenkräutern ist außerdem Wissen aus der traditionellen chinesischen Medizin eingeflossen, die mich gerade im Moment sehr inspiriert.
Vielen Dank liebe Herdis, dass Du Dir die Zeit für meine Frage genommen hast. Gibt es noch etwas, was Du meinen Lesern mit auf den Weg geben möchtest, wenn es um das Thema Fütterung geht?

Ich danke Dir, liebe Saskia!

Ja, das würde ich sehr gern! In den Jahren, in denen ich Pferde und Ihre Menschen berate, wurde eines für mich immer deutlicher: Das Wohlbefinden des Pferdes hängt sehr wesentlich von einer artgerechten Haltung und Fütterung ab. Was hier versäumt wird, kann kein Medikament, kein Therapeut und kein Kraut langfristig beheben. Nur wenn artgerechte Haltung und Fütterung, medizinische Versorgung und Pflanzenheilkunde Hand in Hand gehen, können Pferde gesund und glücklich sein. Je mehr Menschen wissen, worauf es bei der Fütterung und Haltung ankommt (abseits von Ideologien), umso mehr gesunde und glückliche Pferde wird es in menschlicher Obhut geben. Und genau das ist mein Ziel!

Darum möchte ich an dieser Stelle auch all den vielen großartigen Pferdeleuten danken, die sich Gedanken machen und mit gutem Beispiel vorangehen!

Kräuter für Pferde, Katzen, Hunde und Menschen kannst Du direkt bei www.krauterie.de bestellen. Auch ich habe für Wingardio schon einige spezielle Mischung bestellt. Der Versand ist super fix und die Qualität klasse. Alternativ gibt es einige Pferde-Kräutermischung der Krauterie auch im Shop der Pferdeflüsterei (Werbelink). Dort findest Du auch noch viele andere pferdefreundliche und nachhaltige Produkte.
Bei Tanja von Tash-Horsexperience gibt es einen tollen Text zum Immunsystem unserer Pferde inklusive einem Interview mit Herdis.

Foto: Seelenkräuter Lichtblick für Pferde


Fütterst Du Deinem Pferd auch Kräuter? Hast Du Fragen an Herdis? Sie beantwortet sie Dir gerne in den Kommentaren.

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