Klettern in der Fränkischen Schweiz. Foto: Riccardo Schneider (privat)

5 Gründe, warum Klettern der beste Sport für Reiter ist

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Yoga für die meisten Reiter der beste Ausgleichsport ist. Innere Ruhe und Balance sind schließlich wichtige Eigenschaften, die wir auch in der Beziehung zu unseren Pferden brauchen. Nur leider ist dieser Sport nichts für mich. Und deswegen möchte ich heute davon berichten, warum Klettern mindestens ein genauso toller, wenn nicht noch besserer Sport für Reiter ist.

1.)   Beim Klettern trainierst Du alle Muskelgruppen, die Du auch fürs Reiten brauchst.

Bouldern in der Halle. Foto: A. Blank (privat)

Bouldern Viele Kletterer gehen auch Bouldern am Fels oder wie ich hier in der Halle. Foto: A. Blank (privat)

Beim Klettern und Bouldern (das ist sozusagen Klettern ohne Seil in Absprunghöhe) trainierst Du Deinen kompletten Körper. Wirklich jede Faser Deines Körpers wird beansprucht, um oben anzukommen. Vor allem kommt aber Deine Rücken- und Bauchmuskulatur zum Einsatz, also genau die Muskeln, die Du auch für einen ruhigen und ausgeglichenen Sitz brauchst.

2.)   Durch das Klettern verbesserst Du Dein Körpergefühl.

Beim Klettern ist es enorm wichtig, unter den Körperschwerpunkt zu treten, weil einen die Schwerkraft ansonsten einfach von der Wand zieht. Außerdem erfordert ein präziser Kletterzug, dass Du die daran beteiligten Körperpartien entkoppelt – das bedeutet getrennt voneinander –bewegen kannst. Um zu wissen, wo Dein Schwerpunkt bei der jeweiligen Bewegung liegt und wie Du, welche Körperpartien am besten einsetzt, brauchst Du ein gutes Körpergefühl, das sich auch positiv auf das Reiten auswirken wird. Ein Reiter, der weiß, wo sein eigener Körperschwerpunkt liegt und, wie er ihn richtig platziert, hilft dem Pferd sich besser auszubalancieren und die Hinterhand zu aktivieren.

3.)   Durch das Klettern verbesserst Du Deine Balance.

Slacklinen Foto: Riccardo Schneider (privat)

Slacklinen Viele Kletterer slacken auch, um die Balance zu schulen. Foto: Riccardo Schneider (privat)

Kennst Du die coolen Jungs (und auch Mädels), die auf diesen gespannten Zentimeter schmalen Gurtbändern herumturnen? Diese Typen sind meist Kletterer, denn das sogenannte Slacklinen wurde von Kletterern entwickelt, damit sie in ihren Pausen ihr Gleichgewicht trainieren können. Ich dachte eigentlich, dass ich ein gutes Gleichgewichtsgefühl hätte, konnte mich aber bei den ersten Versuchen kaum eine Sekunde oben halten. Inzwischen klappt es schon viel besser. Gleichzeitig merke ich, wie ich einen ruhigen und ausbalancierten Sitz auf meinem Pferd bekomme.

4.)   Beim Klettern bist Du draußen in der Natur.

Fränkische Schweiz Foto: Riccardo Schneider (privat)

Fränkische Schweiz Fürs Klettern musst Du nicht unbedingt in die Berge fahren. Auch in Deutschland gibt es viele schöne Klettergebiete. Foto: Riccardo Schneider (privat)

Deine ersten Kletterversuche wirst Du wahrscheinlich in einer Kletterhalle erleben, aber schon bald willst Du sicherlich raus an den Fels. Ich habe beim Klettern die Natur nochmal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt als mit meinem Pferd. Irgendwann würde ich gerne mal einen Wanderritt mit dem Klettern kombinieren. Mit dem Pferd an den Fels sozusagen. Falls Du sogar einen sogenannten Outdoor-Kletterschein machen möchtest, lernst sehr viel über Flora und Fauna, also über geschützte Tierarten oder (giftige) Pflanzen. Wissen, dass Dir natürlich auch beim Zusammensein mit Deinem Pferd zugutekommt.

5.)   Durch das Klettern gewinnst Du an Selbstvertrauen.

Spätestens wenn Du nicht mehr an einem sogenannten Toprope klettern möchtest, sondern selbst das Seil mit nach oben nehmen willst (Vorstieg), wirst Du nicht drum herum kommen, auch mal ins Seil zu fallen. Am Anfang kostete das ziemlich viel Überwindung. Du musst nicht nur Deinem Seilpartner vertrauen, sondern vor allem Vertrauen in Dich haben. Ich bewundere jeden Kletterer, der angstfrei einfach nach oben klettert und dann auch mal fünf Meter in die Tiefe fällt bis er wieder am Seil hängt. Beim Reiten gab es durch einen unschönen Vorfall begründet für mich eine Zeit, in der die Angst ständig mit ritt. Mir haben Klettern und das Falltraining geholfen, mich meinen Ängsten zu stellen und mehr Selbstvertrauen zu bekommen.

Ich hoffe, ich konnte Dich überzeugen, diesen Sport mal auszuprobieren. Treibst Du neben dem Reiten auch noch einen anderen Sport? Erzähle mir doch in den Kommentaren, was für Dich der beste Ausgleichsport ist.

Inspirationen für andere Zusatzsportarten für Reiter findest Du bei Line von Kultreiter und bei Chevalie Fitness für Reiter.

Das Chalkvieh erklärt umgekehrt, warum Reiten für Kletterer so toll ist!

Titelfoto: Riccardo Schneider

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4 Kommentare

  1. Ich bin selber über 20 Jahre geritten, und habe anschliessend für mich das Klettern als „Draussen“-Sportart entdeckt. Laut meiner Orthopäden wäre mein Bandscheibenvorfall deutlich gravierender, wenn ich mit Reiten und Klettern „vorgesorgt“ hätte – ständiges Sitzen (Büroarbeit!) ist einfach schädlich für den Rücken; der ist dafür schlichtweg nicht konstruiert.
    Wünschen würde ich mir noch, dass sich Reitlehrer verstärkt mit der Anatomie des menschlichen Rückgrats beschäftigen und sich zumindest physiotherapeutische Grundkenntnisse aneignen würden. Was ich da in Zusammenhang mit meinem Rückenleiden schon erlebt habe, geht leider auf keine Kuhhaut (und hat mir letzten Endes auch so ein bisschen die Lust am Reiten ehrlich gesagt verdorben).

    • Hi Micha,
      Danke für Deinen Erfahrungsbericht. Das klingt ja erstmal nicht so gut. Reiten wir ja oft auch als Sport „für den Rücken“ angeboten, aber klar hast Du Recht, dass man auch wissen sollte, wie das eigentlich alles zusammen hängt. Schade, dass Deine Lust am Reiten darunter gelitten hat. Klettern ist aber ja aber auch ein toller Sport 🙂
      Liebe Grüße, Saskia

      P.S. Chalkviech ist echt ein super Name 🙂

  2. Hallo Saskia,

    im Augenblick trainiere ich für´s Wellenreiten (lerne es Ende Juni) und merke auch hierbei, dass mir der Sport für´s Reiten sehr hilft. Bauch, Beine, Rumpf und Balance helfen wirklich sehr. Klettern oder Bouldern muss ich auch mal ausprobieren! 🙂

    • Hi Bianca,

      kann mir sehr gut vorstellen, dass Surfen super ist für Reiter und es ist ja auch wieder ein „Draußensport“. Bei deinen ganzen Aktivitäten und Reisen sollte Klettern & Bouldern auf jeden Fall mit auf der Liste stehen 🙂