Wingardio schläft in der Morgensonne. Foto: Sabrina (privat)

Kolik bei Pferden: Symptome und Erste-Hilfe

Schon auf der Koppel fühlte ich, dass etwas mit meinem Pferd Wingardio nicht stimmte. Er nahm mich gar nicht richtig wahr, atmete unnatürlich schnell und war an der Brust nass geschwitzt. Die Nüstern waren so stark zusammengezogen, dass ich den hellen rosa Fleck auf seiner Schnauze gar nicht richtig erkennen konnte. Unruhig lief er hin und her. Als sich Wingardio in der Box sofort hinlegte und wälzen wollte, schrillten bei mir alle Alarmglocken: Hatte mein Pferd eine Kolik? Ich holte ihn sofort aus seiner Box und ließ ihn sich frei in der Halle bewegen. Er scharrte wie wild mit den Hufen und wollte sich ständig hinlegen.

Was ist eine Kolik?

Auch wenn die Kolik die häufigste Todesursache bei Pferden ist, ist die Diagnose nicht immer gleich ein Todesurteil. Denn schon leichte Blähungen oder Bauchschmerzen bei Pferden werden als Kolik bezeichnet. An sich ist eine Kolik also keine Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für alle Krankheitsanzeichen des Verdauungsapparats.

Bei Wingardio handelte es sich sehr wahrscheinlich um eine Gaskolik, also starke Blähungen, die ihm Schmerzen bereiteten. Die Pferde standen an diesem Tag das erste Mal sehr lange auf der Sommerweide und er hatte sich ordentlich den Bauch vollgeschlagen. Das frische Gras gärt im Pferdedarm und die entstehenden Gase lassen den Darm aufblähen, der im Bauch dann nach oben wandert. Daraus können im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Darmverschlingungen entstehen.

Anzeichen einer Kolik

Folgende Verhaltensweisen und Symptome können beim Pferd auf eine Kolik hinweisen. Hier möchte ich aber betonen, dass jedes Pferd bei Schmerzen anders reagiert und sich die Symptome somit mehr oder weniger stark ausgeprägt, zeigen können.

  • Schnelle Atmung

8 bis 16 Atemzüge pro Minute sind normal. Die Atmung kannst Du relativ einfach bestimmen, indem Du das Heben und Senken der Flanken pro Minute zählst. Bei Wingardio kam ich auf 32 Atemzüge pro Minute.

  • Schweißausbrüche
  • Scharren und Stampfen mit den Vorderhufen
  • Hinlegen und Wälzen

Wingardio wollte sich immer auf dieselbe (schmerzende) Seite legen und es handelte sich deutlich nicht um ein Genusswälzen. Nach dem genüsslichen Wälzen kannst Du oft (nicht immer!) beobachten, dass sich das Pferd „durch den Körper schüttelt“.

  • Fehlende, sehr laute oder abgehackte Darmgeräusche

Um diese Geräusche zu hören, halte Dein Ohr einfach an die Flanken. Bei Wingardio gluckerte und gurgelte es sehr laut, daher auch eher der Verdacht einer Gaskolik.

  • Flehmen
  • Allgemeine Unruhe
  • Suchender Blick zum Bauch
  • Treten und Beißen nach dem Bauch
  • Fehlendes Äppeln oder auffälliger Kot
  • Futterverweigerung
  • Rülpsen und Stöhnen
  • Rötung des Zahnfleischs und der Augen als Zeichen für Kreislaufprobleme
  • Lethargie
  • Aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit

Was kannst Du unternehmen, solange Du auf den Tierarzt wartest?

Wenn Dein Pferd Anzeichen einer Kolik hat, rufe immer sofort den Tierarzt! Eine Kolik kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Bis dieser eintrifft, gibt es aber ein paar Maßnahmen, die Du unternehmen kannst, damit es Deinem Pferd vielleicht schon ein bisschen besser geht. Auch hier gilt: jedes Pferd ist anders. Ich berichte hier bewusst von meiner persönlichen Erfahrung! Es sind Dinge, die Wingardio geholfen haben.

  • Bewegung

Lass Dein Pferd nicht in der Box. Die Gefahr, dass es sich fest legt, ist einfach zu groß. Am besten führst Du es in einen abgegrenzten ruhigen Bereich (Halle oder Reitplatz), wo Du Dein Pferd beobachten kannst. Wenn der Kreislauf Deines Pferdes es zulässt, lass es immer mal wieder gemütlich traben. Bei Wingardio hat Bewegung definitiv geholfen, die Darmtätigkeit anzuregen. Schon nach kurzer Zeit ist eine Menge Gas entwichen. Bei zu starker Bewegung wird allerdings die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes zu Gunsten der Muskulatur eingestellt. Also gib ein gemächliches Tempo vor und beobachte Dein Pferd genau.

  • Wälzen

Früher hieß es, dass Pferde sich bei einer Kolik definitiv nicht wälzen dürften, da es sonst zu Darmverschlingungen kommen könne. Heute glaubt man, dass sich dadurch Verschlingungen auch wieder lösen können. Das muss wohl jeder individuell entscheiden. Ich habe Wingardio meistens davon abgehalten, weil er sich an ungünstigen Stellen in der Halle wälzen wollte. Als ich das Gefühl hatte, dass es ihm dadurch besser geht, habe ich es auch zugelassen.

  •  Natürliche Arzneimittel

Was bei Kleinkindern hilft, kann auch bei Pferden helfen: Anis, Fenchel, Kümmel. Ich war heilfroh, dass ich ein paar Wochen zuvor meine Stallapotheke mit dem Naturheilmittel Colosan® ergänzt hatte. Aber ich hätte die Flüssigkeit nicht alleine verabreichen können. Zum Glück war die Auszubildende im Stall, die weiß, wie man Pferden etwas in die Backentasche spritzt. Ansonsten gilt: Keine Medikamente verabreichen bevor der Tierarzt kommt.

  • PAT-Werte bestimmen

Alle 30 Minuten solltest Du die PAT-Werte bestimmen. Wie das geht, kannst Du in diesem leicht verständlichen Artikel von Baarnboox nachlesen: Puls, Atmung, Temperatur richtig messen

  • Trinken & Fressen

Auch hier gehen die Meinungen auseinander, ob man dem Pferd nun Wasser und Heu anbieten soll oder nicht. Wenn der Magen ausgepumpt werden muss, ist es besser, dass Pferd hat vorher nichts zu sich genommen. Außerdem kann zusätzliches Futter den Darm noch mehr verstopfen. Wasser sollte dem Pferd aber zur Verfügung stehen.

  • Warm halten

Hat Dein Pferd stark geschwitzt, dann decke es ein, damit es nicht auskühlt.

  •  Ruhe bewahren

Versuche möglichst selbst ruhig zu bleiben. Ich weiß, dass das in einer solchen Ausnahmesituation sehr schwer ist, aber Deine Unruhe wird sich auf Dein Pferd übertragen. Bitte jemanden, mit Dir bei Deinem Pferd zu bleiben bis der Tierarzt kommt.

Und Wingardio?

Inzwischen geht es ihm wieder besser. Eineinhalb Wochen später hat er mir allerdings nochmal einen ordentlichen Schrecken eingejagt, als ich auf die Koppel kam und er sich alle paar Minuten hinlegte oder mir seinen Bauch entgegen streckte. Diesmal plagten ihn eindeutig Bauchweh mit Durchfall und Kotwasser. Ich glaube, dass er den Übergang vom Rau- zum Grasfutter nicht gut überstanden hat und dabei hatte ich ihn angeweidet. Das Gleichgewicht der Bakterienkulturen in seinem Darm ist durcheinander gekommen. Ich werde jetzt versuchen mit dem Zufüttern von Kräutern, die Verdauung wieder zu regulieren.

Line von Kultreiter hat einen ausführlichen Artikel zum Thema Koliken geschrieben, in dem sie auch beschreibt, was der Tierarzt unternimmt: Kolik Pferd – Ein Todesurteil?

Und auch bei Tipps-zum-Pferd.de gibt es einen hilfreichen Artikel: Erste-Hilfe bei Kolik

Bei der Pferdeflüsterei findest Du einen guten Artikel zum richtigen Anweiden.

Titelfoto: Wingardio genießt die morgendliche Sonne. Danke, Sabrina für den Schnappschuß!

Wie immer darf der Artikel gerne geteilt werden!


Hast Du schon mal eine Kolik bei Deinem Pferd erlebt? Was hat Euch geholfen? Hast Du noch mehr Tipps

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8 Kommentare

  1. Pingback: Wenn Träume leben lernen!

  2. Danke für diesen wundervollen Artikel! Ich finde Aufklärungsarbeit bei diesem wichtigen und ja, auch lebensbedrohlichem Thema so wichtig. Ich kenne so viele Pferdemenschen, die vor allem eine Gaskolik derart unterschätzen und ihre Pferd im Frühjahr direkt für mehrere Stunden auf die Weide stellen ohne sie auf das frische Gras vorzubereiten.

    • Hi Johanna,
      ja das stimmt. Ich bin da auch lieber ganz vorsichtig und schaue mir mein Pferd ganz genau an.
      Viele Grüße, Saskia

  3. Pingback: Pferde-Wellness: Wälzen! - Lenina01.at

  4. Hallo Saskia,

    prima Artikel und wirklich ein hübscher Blog. Habe gerade vorgestern ebenfalls eine Artikel zum Thema Kolik beim Pferd geschrieben. Wichtig ist auch im Anschluss an die erfolgreiche Behandlung der Kolik (oder besser vorher :-)) die Ursache zu identifizieren und zu beseitigen. Beispielsweise wird heute noch immer die regelmäßige Zahnbehandlung der Pferde vernachlässigt.

    Viele Grüße
    Markus

    • Hallo Markus, vielen Dank für Deinen Kommentar. Habe gleich mal auf Deiner Seite nach Tipps gegen Strahlfäule geschaut. Das ist ja auch so ein Thema, bei dem es zunächst um Ursachenbeseitigung geht. Mein Pferd hat gleich nach dem Kauf einen Zahnarzt gesehen. Super wichtig auf jeden Fall. Oft sind die Ursachen ja leider sehr vielschichtig. Bei uns lag es ziemlich sicher an der schnellen Weideumstellung :-/

  5. Ariane

    Leider bei meiner 3jährigen Shetty-Stute Piri seit Februar ein Thema.

    Sie zeigt die Schmerzen mit Unruhe, hinlegen – aufstehen – hinlegen, zu ihrem Bauch schauen, Inappetenz, deutliches Schmerzgesicht.
    Als 1. Hilfe-Maßnahme gabs Bewegung, soweit sie es zuläßt. Ich habe sie nicht gezwungen. Sie durfte sich auch hinlegen, wenn ihr danach war, ich ließ sie dann 5 Minuten liegen und fragte dann, ob sie wieder aufstehen können und wir noch etwas weitergehen könnten.
    Ich habe einmal den Fehler gemacht und bin mit ihr los in den Wald. Das mache ich zukünftig nicht mehr, sondern bleibe mit ihr auf dem Stallgelände. Sie hat sich draußen irgendwann immer wieder hingelegt und zeigte auch Kreislaufprobleme. Das ist nicht so richtig günstig, wenn man mitten im Wald ist.
    Ursache war und ist nicht hundertprozentig klar. In der Klinik wurde sie eigentlich nur symptomatisch behandelt, die einzige Ursachenforschung erfolgte in Form einer Gastroskopie, da sie bei der ersten Kolik ständig gähnte und das wohl auf Magengeschwüre hindeutet. Aber ein negativer Befund.
    Nach der zweiten Kolik machte ich einen Zahnarzt- und allgemeinen Beratungstermin mit unserer TÄ. Bis dahin hatte sie leider noch eine dritte Kolik.
    Bei dem Zahntermin wurden 2 Milchzahnkappen entfernt, die Wolfszähne gezogen und die mittleren unteren Milchschneidezähne gezogen, da sie oben schon gewechselt hatte. Ich denke, die Zähne haben da auf jeden Fall ihre Rolle gespielt.
    Dann habe ich eine Ernährungsberaterin hinzugezogen. Piri bekommt nun genau auf sie abgestimmtes Futter, zur Darmsanierung und zum Zunehmen, da sie körperlich durch die Koliken nicht im Besten Zustand ist.
    Und unser 3. Vermutung ist, das sie „Regelschmerzen“ hat, da sie bei den ersten beiden Koliken definitiv rossig war und bei der 3. 2 Tage später Rossezeichen da waren.

    Ich kann nur sagen, es ist ein Alptraum. Immer wenn mich jemand aus dem Stall anruft, habe ich Angst, Piri krampft wieder. Ganz abgesehen von den enormen Kosten und das es schlimm ist, sein Tier so leiden zu sehen.

    Ich hoffe, wir haben das jetzt überstanden, seit Ostern ist sie Kolikfrei; und der Rosse-Kolik-Verdacht manifestiert sich in den nächsten Wochen nicht weiter.

    • Hallo liebe Ariane,

      ich kann Dich ja so gut verstehen. Ich war übers Wochenende nicht da und hatte furchtbar schlechten Handyempfang…jedes Mal habe ich panisch aufs Handy geschaut, ob der Stall nicht doch angerufen hat. Als ich gefahren bin, war mein Pferd zwar wieder richtig munter, aber zweimal in kurzer Zeit sein Tier so zu sehen, war schon Sorge genug.

      Bei uns hat Bewegung auch am besten geholfen. Beim leichten Traben hat sich viel gelöst. Ich werde auch bei der nächsten Gelegenheit mit dem TA sprechen. Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass die Futterumstellung dazu geführt hat. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und die Darmflora kann erst einmal nicht richtig arbeiten. Am Wochenende sind die Kräuter gekommen. Ich hoffe, wir bekommen das wieder richtig in den Griff.

      Ich wünsche Dir und Piri auf jeden Fall alles Gute und hoffentlich keinen neuen Vorfall! Viele Grüße, Saskia